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Im Nachtzug von Prag bis in die UkraineMit dem gelben Zug nach Transkarpatien

Die wohl bequemste Reiseroute in den Westen der Ukraine: Mit dem Nachtzug geht es ohne Umsteigen von Prag bis nach Tschop in Transkarpatien.

Für Passagiere gibt es seit Februar 2022 – abgesehen von einigen wenigen Fußgänger- und Fahrradübergängen – nur zwei Möglichkeiten in die Ukraine einzureisen: auf dem Straßen- oder dem Schienenweg. Der Flugverkehr ist infolge der russischen Angriffe vollständig eingestellt. Der Nachtzug von Prag nach Tschop (Chop) in Transkarpatien – der westlichsten Stadt der Ukraine – verkehrt einmal täglich um 21.45 Uhr, in die Gegenrichtung um 17.35 Uhr. Nach diversen Fahrten in die Ukraine mit Auto, Bus und Bahn kann ich bestätigen: Diese Verbindung ist die komfortabelste Option, um in den Westen des Landes zu gelangen.

Anders als am polnischen Grenzbahnhof Przemyśl müssen Reisende nicht bei Wind und Wetter im Freien in der Schlange zur Passkontrolle anstehen. Es handelt sich um eine Direktverbindung, bei der keine zeitaufwendige Anpassung der Spurweite nötig ist, da die europäische Normalspur bis nach Tschop reicht. Die Strecke wird vom tschechischen privaten Verkehrsunternehmen RegioJet mit seinen markanten gelben Zügen bedient. Tickets sollten am besten mehrere Wochen im Voraus über die App gebucht werden, da die Liegeplätze im Viererabteil schnell ausverkauft sind. Zwei Wochen vor Abfahrt ergattere ich noch den letzten und muss glücklicherweise nicht sitzen.

Die laut Fahrplan zwölfstündige Fahrt kostet knapp 50 Euro, wahlweise im Frauen- oder gemischten Viererabteil. Der lange gelbe Zug fährt frühzeitig in den Prager Hauptbahnhof ein, sodass Passagiere entspannt direkt am Gleis in den richtigen Wagen einsteigen können. Bettwäsche ist im Preis enthalten, ebenso eine kleine Flasche Wasser und wahlweise ein verpacktes Croissant oder ein Orangensaft. Entgegen den Angaben in der Broschüre gibt es jedoch weder kalte noch warme Speisen. Immerhin sind diverse Getränke zu günstigen Preisen erhältlich. Ich bestelle mir in der RegioJet-App einen Tee für umgerechnet einen halben Euro.

Positiv überrascht mich, dass die (mit Duftstäbchen ausgestatteten!) Toiletten und die von diesen abgetrennten Waschbereiche des Schlafwagens die ganze Fahrt über sauber gehalten werden. Ein Handtuch ist – anders als beim ukrainischen staatlichen Eisenbahnunternehmen Ukrzaliznytsia – nicht Teil der Bettwäsche. Dafür stehen ausreichend Papiertücher zur Verfügung.

Im Dunklen durch die Hohe Tatra

Gegen 23 Uhr kehrt Ruhe ein, die Reisenden machen sich bereit für den Schlaf. Die Abteile lassen sich von innen abschließen, an zwei Steckdosen können Geräte aufgeladen werden. Der gelbe Zug tuckert ostwärts quer durch die Tschechische Republik und weiter durch die Slowakei, wo er die pittoreske Strecke durch die Hohe Tatra entlangfährt. Das sanfte Ruckeln wiegt mich in den Schlaf, sodass ich die schneebedeckten Gipfel verpasse – es wäre wohl ohnehin noch zu dunkel, um sie in den frühen Morgenstunden auszumachen.

Kurz vor sechs Uhr weckt eine Lautsprecheransage die Fahrgäste und kündigt das im Ticket enthaltene Frühstück an. Ich trinke meinen Kaffee, während die bewaldeten Berghänge der nicht minder malerischen Niederen Tatra am Fenster vorbeiziehen. Bald erreicht der Zug die ostslowakische Stadt Košice, wo etwa die Hälfte der Waggons endet. Der restliche Zug inklusive der Schlafwagen fährt weiter in Richtung Ukraine.

Nach etwa einer Stunde ist der slowakische Grenzpunkt erreicht. Die Passkontrolle erfolgt bequem im Zug, doch an diesem Tag dauert der Vorgang etwas länger als geplant. Die Weiterfahrt verzögert sich zusätzlich, da die Lokomotive, die uns von der Grenze nach Tschop bringen soll, auf sich warten lässt. Insgesamt entsteht so eine Verspätung von 70 Minuten.

Die ukrainische Passkontrolle, die im Bahnhofsgebäude von Tschop stattfindet, verläuft dafür erstaunlich zügig. Von dort aus können Reisende leicht per Taxi oder Minibus in die transkarpatische Hauptstadt Uschhorod weiterfahren. Gerade zu dieser Jahreszeit ist sie mit ihren 2.000 blühenden japanischen Kirschbäumen einen Zwischenstopp wert. Von Uschhorod aus gibt es Zugverbindungen in diverse Landesteile – nach Lwiw, Kyjiw, Odessa, Dnipro und Charkiw.

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