piwik no script img

Nach der Silvesternacht in KölnDe Maizière will rasche Konsequenzen

Schneller abschieben, mehr Videoüberwachung: Die Bundesregierung plant, die Gangart gegen kriminelle Asylbewerber zu verschärfen.

afp | Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will schon bald Vorschläge für Konsequenzen aus den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln vorlegen. „Wir müssen alles dafür tun, dass sich solche Vorfälle wie in Köln nicht wiederholen“, sagte de Maizière der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Als Beispiele nannte er vorbeugende Aufklärung, mehr Videoüberwachung auf belebten Plätzen, Polizeipräsenz auf der Straße, eine schnelle Justiz und harte Strafen.

Er sei bereits „in guten Gesprächen“ mit Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), sagte de Maizière. Dabei gehe es darum, „welche Konsequenzen zu ziehen sind und zwar schnell“.

Der Parteivorstand der CDU hatte sich am Samstag bei seiner Klausur in Mainz einstimmig dafür ausgesprochen, die Gangart gegen kriminelle Asylbewerber massiv zu verschärfen. Flüchtlinge sollen nun auch schon im Falle einer Bewährungsstrafe ihr Recht auf Asyl verlieren.

Auch Maas kündigte an, eine verschärfte Abschieberegelung für kriminelle Asylbewerber zu prüfen. Er werde gemeinsam mit de Maizière „noch einmal prüfen, ob unsere Möglichkeiten ausreichen, um Kriminelle zurückzuschicken“, sagte Maas der Bild am Sonntag. „Gerade zum Schutz der vielen Flüchtlinge, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, müssen wir alle Straftäter konsequent zur Rechenschaft ziehen.“ Niemand dürfe sich „bei uns über Recht und Gesetz stellen“.

Maas: Rechtsstaat nicht kaputt sparen!

Maas forderte zudem, die Polizei personell zu verstärken. Die Bundesländer seien wegen der Schuldenbremse „einem erheblichen Sparzwang“ unterworfen. Die „grausamen Zustände von Köln“ hätten gezeigt, dass es „weniger an Gesetzen als an Polizisten“ fehle. „Wenn wir unseren Rechtsstaat durchsetzen wollen, dürfen wir ihn nicht kaputt sparen“, forderte Maas.

Auch eine verbesserte Videoüberwachung an Brennpunkten hält Maas für sinnvoll: „Unser Rechtsstaat darf nicht zulassen, dass Menschen einer enthemmten Masse schutzlos ausgeliefert sind“, sagte der SPD-Politiker der Bild am Sonntag. Er finde es daher richtig, „darüber nachzudenken, ob mit einer vernünftigen und maßvollen Videoüberwachung an neuralgischen Plätzen die Aufklärung von Straftaten helfen kann.“

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Produkt-Arrangement bestehend aus dem bunt gemusterten „feministaz“-Halstuch, einer gedruckten taz-Sonderausgabe und einem Smartphone, das die digitale taz-Titelseite mit einer lila Faust zeigt.

10 Wochen taz testen + feministisches Halstuch

Gerade jetzt ist die Sichtbarkeit solidarischer Stimmen wichtiger denn je – für Frauen und FLINTA* weltweit. Teste die taz jetzt und erhalten unser neues feministisches Halstuch als Prämie dazu.

  • Erhalte das exklusive Tuch als Prämie – so attraktiv kann Solidarität sein!
  • Lies 10 Wochen die taz: Montag bis Freitag digital, samstags die gedruckte wochentaz
  • Limitierte Stückzahl, schnell sein lohnt

taz zur Probe + Tuch für nur 29 Euro

Jetzt bestellen

4 Kommentare

 / 
  • 6G
    64457 (Profil gelöscht)

    In die Praxis umsetzen, bitte schnell. Über folgenden Vorfall wurde gerade vom Leipziger Bahnhof berichtet: https://mopo24.de/#!nachrichten/festnahmen-nach-belaestigungen-am-hauptbahnhof-leipzig-39430 Zitat: Gegen die Nordafrikaner, die bereits länger in Leipzig leben und polizeibekannt sind, wurden Strafverfahren eingeleitet. Anschließend verfügte die Staatsanwaltschaft, dass beide wieder auf freien Fuss zu setzen sind. Wieso werden polizeibekannte Intensivtäter auf freien Fuss gesetzt? Die beste Bestärkung zum Weitermachen! Und mal ne Verständnisfrage: Wenn ein Land seine Bürger nicht zurücknimmt, wieso kann man sie dann nicht im dortigen Transitbereich abladen? Oder auf dem Landweg zurückführen? Wenn nein, würde ich aber Transitzonen für alle ohne Pass und alle aus Ländern mit einer Anerkennungsquote nahe Null befürworten.

    • @64457 (Profil gelöscht):

      Wieso werden polizeibekannte Intensivtäter auf freien Fuss gesetzt?

       

      Weil die Staatsanwaltschaft hier keine ausreichenden Haftgründe gesehen hat.

      Bei Straftätern, die nicht aus Libyen/Tunesien, sondern aus Deutschland stammen, wird das auch ganz genau so gehandhabt. Die Gefängnisse eines Landes können nun einmal nicht größer werden als das Land selbst ist.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Haftgrund

  • "De Maizière will rasche Konsequenzen."

     

    Sein schneller Rücktritt ist doch auch längst überfällig!

  • "Mehr Videoüberwachung"?, spinnt der? Hilft ja auch, wie gesehen sehr, wenn eine Gruppe einen geschlossenen Kreis um ein Opfer bildet...

     

    Der will garnicht mehr Personal....