Nach Anti-Terror-Razzia und Festnahmen: Israel schließt Grenze zu Gaza
Israel befürchtet Attacken aus Gaza als Vergeltungmaßnahme. Bei einer Razzia wurden zwei ranghohe Mitglieder der Miliz Islamischer Dschihad im Westjordanland festgenommen.
Foto: Raneen Sawafta/reuters
afp | Aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen hat Israel am Dienstag einige Abschnitte an der Grenze zum Gazastreifen für Zivilisten gesperrt. Die israelische Armee erklärte, sie blockiere den Grenzzugang „aufgrund einer direkten Bedrohung“ und wegen „möglicher Angriffe gegen Zivilisten“. In der Nacht zuvor waren zwei ranghohe palästinensische Mitglieder der Miliz Islamischer Dschihad bei einer Razzia im Westjordanland-Distrikt Dschenin festgenommen worden.
„Nachdem terroristische Aktivitäten der palästinensischen Terrororganisation Islamischer Dschihad zugeordnet wurden, wurde beschlossen, Gebiete und Routen, die an den Sicherheitszaun des Gazastreifens angrenzen, zu sperren“, erklärte die israelische Armee. Die Grenze zum von der Terrorgruppe Hamas kontrollierten Gazastreifen wird immer wieder von Israel, aber auch dem angrenzenden Ägypten geschlossen. Die beiden „gesuchten Terrorverdächtigen“ seien aber im Westjordanland festgenommen worden.
Aus palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es, bei einem der Festgenommenen handele es sich um Bassem al-Saadi, eine führende Persönlichkeit des politischen Flügels des Islamischen Dschihad im Westjordanland. Der zweite festgenommene Verdächtige sei Saadis Schwiegersohn, der in Dschenin ansässig sei und Gelder für die militante Gruppe beschaffe.
17-Jähriger bei Razzia erschossen
Bei der Razzia war am späten Montagabend zudem ein 17-jähriger Palästinenser von israelischen Streitkräften erschossen worden. Der Islamische Dschihad identifizierte den Teenager als Dirar al-Kafrayni. Er sei ein Mitglied der Gruppe und „unser heldenhafter Märtyrer“.
Der Islamische Dschihad, eine militante Gruppe mit engen Verbindungen zum Iran, ist im Gazastreifen stark vertreten. Sie nutzt das Gebiet regelmäßig für Raketenangriffe auf Israel.
Die jüngsten Spannungen finden inmitten der zunehmenden Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt statt. Seit Ende März begingen militante Palästinenser fünf Terroranschläge auf israelischem Boden. Im selben Zeitraum wurden außerdem mindestens 55 Palästinenser bei Razzien getötet, unter ihnen mutmaßliche Militante, aber auch Zivilisten, etwa die Al-Dschasira-Journalistin Schirin Abu Akleh, die über eine israelische Razzia in Dschenin berichtet hatte.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert