NPD-Kandidaten in Norddeutschland: „Meine Vorbilder sind Hitler und Hess“

Die NPD tritt zur Bundestagswahl in allen Bundesländern an. Die taz hat sich umgeschaut, wer im Norden für die NPD kandidiert.

Mit wehenden Fahnen ziehen Anhänger der rechtsextremen NPD durch die Innenstadt von Greifswald.

Wo Neonazis sind, ist auch die NPD: Demonstration am 1. Mai 2021 in Greifswald Foto: dpa/Stefan Sauer

Die Rechtsextremen versuchen einen neuen Anlauf: Zur Bundestagswahl 2021 tritt die NPD in allen Bundesländern an. Die Erwartung der Bundestagskandidaten im Norden ist zwar wahrscheinlich nicht, tatsächlich in den Bundestag einzuziehen. Aber sie können darauf hoffen, ihre Wahlkampfkosten zurückerstattet zu bekommen und den Parteistatus zu erhalten.

Eine Neuausrichtung der Partei ist nicht zu erkennen. In Mecklenburg-Vorpommern hofft Michael Andrejewski für die NPD Stimmen zu gewinnen. Für die Partei saß er zwei Legislaturperioden im Schweriner Landtag. 1992 verantwortete er in Rostock eine Flugblatt­aktion gegen Asylsuchende kurz vor den tagelang anhaltenden Ausschreitungen im Stadtteil Lichtenhagen. Bis heute bemüht sich der Anwalt, sich als „Kümmerer für die einfachen Leute“ zu inszenieren. Seit 2011 sitzt er im Kreisrat Vorpommern-Greifswald.

Manfred Dammann tritt in Niedersachsen an. Der NPD-Landesvorsitzende hat 2019 für die Partei in Eschede den Hof des Parteimitglieds Joachim Nahtz erworben, der in finanzielle Not geraten war. Keine reine Kameradschaftshilfe – der Hof soll zu einem Schulungszentrum ausgebaut werden. In der kleinen Gemeinde will Dammann auch zur Bürgermeisterwahl antreten. Mit Andreas Haack betreibt er „Nordland TV“, einen NPD-nahen Internet-Kanal.

In Schleswig-Holstein kandidiert ebenso der NPD-Landesvorsitzende Mark Proch. Im Februar dieses Jahres verurteile das Amtsgericht Neumünster den NPD-Ratsherrn wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 10 Euro. Für ihn sei es „eine Notwehrsituation“ gewesen, erzählt er in einem Video bei Youtube. Nicht ohne zu betonen: „Ich komme eben noch aus der Generation, wo man gelernt hat: Wenn man angegriffen wird, dann wehrt man sich.“ Bei der Bürgermeisterwahl in Neumünster im Mai erreichte er 3,1 Prozent der Stimmen.

Rauswurf aus Sportverein

Lennart Schwarzbach will in Hamburg Stimmen für die Partei gewinnen. Auch er steht dem Landesverband vor. Ende 2020 bestätigte das Oberlandesgericht Schleswig, dass sein Rauswurf aus dem TuS Appen rechtens war. 2015 hatten die Fußballer des Vereins herausgefunden, dass ihr Sportkollege bei der NPD ist, und ihn ausgeschlossen.

In Bremen stellt sich Heinz Seeger zur Wahl in den Bundestag. An der Weser bewegt er sich seit Jahrzehnten im militanten Spek­trum, führte die „Freiheitliche Arbeiter Partei“ (FAP) und die „Deutsche Alternative“ an. 1988 bezeichnete er sich in einem Leserbrief in der taz selbst als „Nationalsozialisten“ und schrieb: „Meine politischen Vorbilder sind Adolf Hitler und Rudolf Hess.“

Als Vorsitzender der FAP in Bremen versicherte er, die später verbotene Partei sei die „Speerspitze des nationalen Widerstandes“, die „Aktivisten“ würden nichts für sich, sondern für das „heile deutsche Vaterland“ tun. Er selbst saß zur Zeit des Briefes in Haft. Ein anonyme Person bezeichnet ihn als einen „elenden Nazispinner“. Er sei wegen Bankraubs mit Geiselnahme in Haft gewesen.

Der NPD-Pressesprecher Klaus Beier kam der Bitte der taz um eine Stellungnahme dazu nicht nach.

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Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandesund des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: mit Andrea Röpke "Mädelsache" (2011), mit Martin Langebach "Europas radikale Rechte" (2013). Im Erscheinen begriffe „Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt“.

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