Artenschutz in Kenia: Mysteriöses Elefantensterben
In Kenia häufen sich Fälle von verendeten Elefanten. In ihren Mägen wurde Zyanid nachgewiesen – noch unklar ist, wie es dort hingekommen ist.
Foto: Andrew Kasuku/AP/dpa
Eine Elefantenkuh liegt zitternd in der Savanne, windet sich. Ihre Hinterbeine sind gelähmt, sie kann sich nicht mehr aufrichten. Dann stirbt sie qualvoll. Das Video, aufgezeichnet von Kenias Wildtierschutzbehörde (KWS), ging in den letzten Wochen in Ostafrika viral.
Mittlerweile ist die Zahl der verstorbenen Elefanten in und um den berühmten Amboseli Nationalpark im Süden Kenias nahe der tansanischen Grenze auf 16 gestiegen. Die Ursachen sind bislang noch nicht geklärt, doch es zeichnen sich Hinweise einer Vergiftung ab.
Die für Nationalparks und deren Wildtierbestände zuständige Behörde KWS hat Ermittlungen aufgenommen. „Wir haben Tests durchgeführt“, so Isaac Lekolool, Veterinär bei KWS. „Sie haben Spuren von Zyanid nachgewiesen.“ Doch es müssen noch weitere Tests durchgeführt werden, um festzustellen, welche Menge des Gifts aufgenommen wurden, um die die tonnenschweren Dickhäuter in nur wenigen Tagen daran sterben zu lassen.
Erste Untersuchungen des Mageninhalts lassen darauf schließen, dass die Elefanten Tomaten und Wassermelonen zu sich genommen haben, bevor sie starben. Rund um den 400 Quadratkilometer großen Amboseli Nationalpark am Fuße des berühmten Kilimanjaro Berges bauen Bauern und Bäuerinnen Tomaten und Wassermelonen an – beides wasserintensive Pflanzen, die mit Pestiziden behandelt werden.
Elefantenbestand erholt
Im Amboseli Park leben rund 1.600 Elefanten. Insgesamt hat sich die Population in Kenia in den vergangenen Jahrzehnten enorm erholt. Laut der letzten Zählung von 2025 sind es rund 42.000 landesweit. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 waren es nur rund 16.000. Kenias Regierung ist in der Vergangenheit rigoros gegen die Wilderei vorgegangen. Doch mittlerweile ist die Zahl der Elefanten so stark gestiegen, dass ganze Herden aus den Parks, die nur selten eingezäunt sind, ausbrechen und sich auf den Äckern der Bauern bedienen.
Die erste tote Elefantenkuh wurde im Juli inmitten der Tomatensträucher einer Farm in Kimana entdeckt. Der Ort liegt im Migrationskorridor, wenn die Elefanten vom Amboseli Park in den Kilimanjaro Nationalpark in Tansania wandern. KWS konfiszierte die Behälter, mit welchen die Farmer in Kimana ihre Pflanzen besprühen. „Die Pestizide in den Eimern enthielten kein Zyanid. Dann könnte es für etwas ganz anderes verwendet worden sein, nicht unbedingt für den Tomatenanbau“, so der KWS- Veterinär: „Wir müssen also noch herausfinden, woher dieses Gift genau stammt.“
Zyanid wird meist beim Goldabbau eingesetzt, die Verwendung in Pflanzenschutzmitteln ist eher unüblich und unterliegt in Kenia per Gesetz strengen Regeln. KWS erwähnt die Option, dass das Zyanid womöglich aus Tansania eingeführt worden sein könnte, da die Grenze nahe liegt. Die Bauern in der Region geben gegenüber lokalen Medien an, dass sie kein Zyanid verwenden und auch ihre Schafe und Ziegen diese Tomaten fressen, daran aber nicht zugrunde gehen.
Pestizidschmuggel
Bei den 15 verstorbenen Elefanten handelt es sich um Mitglieder einer einzigen Großfamilie. 14 der toten Tiere waren Elefantenkühe und deren Kälber. Unter den Toten war nur ein Bulle. In Elefantenfamilien sei jedoch die älteste Kuh die Anführerin, so KWS-Sprecher Duncan Juma: „Sie findet Nahrung und zeigt den Kälbern, wo es Wasser gibt.“ Damit sei es logisch, dass die weiblichen Elefanten und die Kälber zuerst das Gift probierten.
Artenschutzorganisationen in Kenia machen nun Kenias Regierung für die Tragödie verantwortlich. Paula Kahumba von der Tierschutzorganisation Wildlife Direct kritisiert, die Regierung würde den Einsatz und Gebrauch von Pestiziden in der Praxis nicht streng genug kontrollieren. Sie verweist auf ähnliche Ereignisse in Amboseli im Januar, als sechs Löwen und 32 Geier auf bislang ungeklärte Art verstarben „Wir müssen die Frage stellen, ob Gemeinschaften, deren Nutztiere sowie Konsumenten ausreichend geschützt sind“, so Kahumba.
Sie verlangt eine unabhängige Untersuchung und verweist auf die Tatsache, dass eine Woche vor dem Bekanntwerden der toten Elefanten die kenianische Kontrollbehörde, zuständig für die Zulassung von Pestiziden, einen Bericht veröffentlicht hatte, wonach in den Jahren 2024 und 2025 knapp 30.000 Kilogramm Pestizide unregistriert ins Land eingeführt worden waren. Darunter können auch Zyanid-haltige Substanzen gewesen sein.
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