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Mysteriöser Todesfall in RusslandSt. Petersburger Fenstersturz

Der Musiker Wadim Stroikin fällt während einer Wohnungsdurchsuchung aus dem neunten Stock eines Wohnhauses. Er hatte den Ukraine-Krieg kritisiert.

Aus Berlin

Barbara Oertel

Der Musiker Wadim Stroikin wäre nicht der erste Mensch in Russland, der durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben kommt. Doch während bei kritischen und dem Regime lästigen Zeitgenossen in der Regel nachgeholfen wird, um sie auf diese Art ins Jenseits zu befördern, könnten die Dinge bei Stroikin anders liegen.

Russischen Medienberichten zufolge soll der 58-jährige Sänger und Komponist am vergangenen Mittwoch während einer Durchsuchung seines Apartments durch Angehörige der Strafverfolgungsbehörden aus dem neunten Stock eines Wohnhauses in St. Petersburg gesprungen sein.

Die Vertreter der Staatsmacht waren zwecks Ermittlungen wegen angeblicher Beteiligung an einer „extremistischen Organisation“ bei Stroikin angerückt. Diese soll Gelder an die die Streitkräfte der Ukraine gespendet haben. Dem Musiker hätten bis zu 20 Jahren Haft gedroht.

Die Petersburger Onlinezeitung Fontanka will erfahren haben, dass Stroikin zum letzten Mal lebend gesehen wurde, als er in die Küche gegangen sei, um ein Glas Wasser zu trinken. Wenig später sei sein lebloser Körper im Innenhof der Wohnanlage gefunden worden.

Stroikin wurde in Sneschinsk geboren. Die Stadt im Ural ist Teil des militärisch-industriellen Komplexes und kann nur mit einer Sondererlaubnis besucht werden. Bereits als Schüler begeisterte er sich für Musik und brachte sich die Grundlagen selbst bei. Seine Gitarre bezeichnete er einmal als seinen ewigen Begleiter.

Moderator beim Radio

In den 1990er Jahren absolvierte Stroikin die Britische Journalistenschule und moderierte dann die Sendung „Liedermacher stellen sich vor“ beim kremlkritischen Radiosender Echo Moskwy in Jekaterinburg. In den letzten zehn Jahren und nach einem Umzug nach St. Petersburg widmete er sich dem Schreiben neuer Songs, gab Konzerte und Gitarrenunterricht.

Nach dem Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 postete er auf seiner Seite bei VKontakte (das russische Pendant zu Facebook) Beiträge, in denen er die russische Führung wegen des Krieges scharf kritisierte. In einem von ihnen bezeichnete er Kremlchef Wladimir Putin als einen „Bastard“, weil der nicht nur gegen ein brüderliches Volk in den Krieg gezogen sei, sondern auch seinem eigenen Volk den Krieg erklärt habe.

Mittlerweile haben Freunde von Stroikin mit eigenen Gedichten auf dessen Tod reagiert. Sergei Iwkin, Dichter und Künstler aus Jekaterinburg, widmete Stroikin ein „Sonett des Gedenkens“. Die beiden letzten Zeilen lauten: „Jemand wie er konnte nicht alt bleiben. Jetzt ist er ein freie Wind über der Newa.“

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11 Kommentare

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  • 6G
    653619 (Profil gelöscht)

    Auflistung mysteriöser Todesfälle von Russen 2022-2024

    en.m.wikipedia.org..._2022%E2%80%932024

  • JohnReed

    Warum wird hier insinuiert, dieser Fall sei, anders als bei den anderen vergleichbaren Vorfällen, ein Suizid?

  • 6G
    604841 (Profil gelöscht)

    Und noch vor ein paar Tagen sprach Herr Tino Chrupalla wieder russisches Gas zu kaufen. Da will einer schon einmal nachhaltig für seine Sicherheit beim Fensterputzen sorgen.

    Alle die davon sprechen ukrainisches Gebiet an Russland abzutreten sollten genau bedenken zu was für einem Leben man die dortige Bevölkerung dann verdammt.

  • Agarack

    Ich glaube, wäre ich ein halbwegs prominenter Russe, der den Ukrainekrieg kritisiert hat, würde ich noch heute ein Video auf Youtube hochladen, in dem ich nachdrücklich betone, dass ich nicht suizidal bin und keine Absicht habe, aus einem Fenster zu springen.

  • Machiavelli

    Das russische Regime hat soviel tot über Russland und die Ukraine gebracht, soll niemand glauben es hört damit auf wenn der Krieg vorbei ist. Russland wird ein kontinuierliches Problem und eine Gefahr für die Demokratie, Freiheit und den Anstand in Europa bleiben.

    • Thommsen

      @Machiavelli:

      Ich glaube, das Gefühl, dass sich Demokratie und Anstand weltweit auf dem Rückzug befinden, trügt mich leider nicht. Die Dummheit der Prolls, der skrupellosen Machtgierigen, der superintelligenten Eliten und der nur in nur Wahlperioden denkenden Politiker ist auf dem Vormarsch - auch dank der "asocial Media". Die Anständigen dieser Welt, die m.E. die Mehrheit darstellen, sind leider zu leise...

      • Axel Schäfer

        @Thommsen:

        Leider wahr, "der Klügere gibt nach" hat dazu geführt, dass die Doofen und Irren die Politik dominieren.

  • Ulrich Haussmann

    Ja ja die Fenster in Russland, die sollte man meiden!

  • 6G
    602214 (Profil gelöscht)

    Und wieso wird russischen Medienberichten plötzlich geglaubt? In einer Diktatur lügen nicht nur die Machthaber sondern auch die Medien. Oder müssen wir heute etwa unsere Sicht auf den "Völkischen Beobachter" revidieren?

    • dtx

      @602214 (Profil gelöscht):

      Der Bericht macht nicht den Eindruck, als ob es eine Verlautbarung des Kremls wäre. Und zur Frage, unter welchen Umständen Herr Stroikin über das Fensterbrett gekommen sein könnte, wo doch die Wohnung voller Polizisten gewesen sein dürfte, kann sich auch jeder seine eigenen Gedanken machen.

      • Genosse Luzifer

        @dtx:

        Ein wenig komisch ist er schon:



        "Zeitgenossen in der Regel nachgeholfen wird, um sie auf diese Art ins Jenseits zu befördern, könnten die Dinge bei Stroikin anders liegen."



        Nur wieso könnte es anders liegen? Gibt es darauf Hinweise? Anscheinend ist es ja doch die russische Polizei die verlautbart, dass er "ganz freiwillig bei einer Durchsuchung" aus dem Fenster sprang