Mütter- und kinderfeindliche Gerichte: Vaterkontakt um jeden Preis
Gesetze und Gerichte gehen häufig sehr weit, um Eltern den Kontakt zu ihren Kindern zu ermöglichen. Das ist nicht immer zum Wohle der Kinder.
E s ist traurig, wenn Kinder ohne Kontakt zu ihrem Vater aufwachsen. Aber wie nun der Soziologe Wolfgang Hammer und sein Team an Hand einer Analyse von 154 Medienberichten darlegt, gehen Deutschlands Familiengerichte oft zu weit, um das zu ändern. Auch die taz kennt solche Fälle. Ein Junge muss zwei Jahre im Heim leben, weil er zur Mutter und nicht zum Vater will. Ein Vater gibt in einem Video dreist zu, dass er die Mutter schlug, und bekommt trotzdem die Kinder.
Ein Mädchen kann nirgends zur Schule gehen, weil sie vom Vater zur Mutter flüchtete und dort illegal lebt. Hammer machte vor zwei Jahren anhand von 1.000 Fallanalysen deutlich, dass es sich hier um ein Massenphänomen handelt. Um den Kontakt zu beiden Elternteilen durchzusetzen, werden Kinder durch staatliches Handeln geschädigt.
Kernproblem ist die aus den USA kommende Deutungsschablone des „Parental Alienation syndrome“ (PAS), der Vorstellung, dass es an der Manipulation durch die Mutter liegt, wenn ein Kind den Kontakt zum Vater ablehnt. Umstrittene Konzepte schlagen hierfür die gewaltsame Trennung von Mutter und Kind vor, um den Vaterkontakt zu ermöglichen. Dabei wird die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt.
Hinzu kamen eine Reihe von Gesetzesänderungen, wie jene von 2013, die nichtehelichen Vätern die Beantragung des Sorgerechts ermöglichte. In der Folge waren die Jugendämter aufgefordert, die Väter aktiv zu beraten, und wurden bei dieser Gelegenheit auch in diesen mütterfeindlichen Narrativen fortgebildet, die sich auch unter Juristen verfestigten. Das Thema häusliche Gewalt wurde relativiert. Deutschland tut zu wenig, um Mütter und Kinder zu schützen.
Wie Hammer, der früher Abteilungsleiter für Jugendhilfe in Hamburg war, nun mahnt, gehört dieses „im verborgenen gewachsene Unrecht im System“ durch die Politik gründlich aufgearbeitet. Nötig wäre dafür eine Enquetekommission im nächsten Bundestag, die die Gesetze und ihre Auswirkungen aus jüngerer Zeit überprüft. Die Ampel und das FDP-geführte Justizministerium hatte das Thema nicht richtig auf dem Schirm.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert