Münchens OB und das N-Wort: Dieter Reiter will rassistische Äußerung nur zitiert haben
Mit der Nutzung des N-Worts während einer Ratssitzung hat das SPD-Stadtoberhaupt für Empörung gesorgt. Die nachträgliche Entschuldigung entlässt ihn nicht aus der Verantwortung, finden Aktivist:innen.
Foto: Matthias Balk/dpa
afp/dpa Nach einer rassistischen Äußerung von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Stadtrat hält die Kritik an. „Wenn ein Oberbürgermeister einen Begriff verwendet, den die Stadt selbst als rassistisch eingeordnet und geächtet hat, zeugt dies nicht nur von mangelndem Bewusstsein für die Erfahrungen der Betroffenen, sondern untergräbt auch die Glaubwürdigkeit der eigenen Beschlüsse“, erklärte Modupe Laja vom Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern am Samstag.
Reiter hatte bei der Sitzung des Stadtrats, während er in der Tagesordnung blätterte, das N-Wort benutzt. Später entschuldigte er sich in einer Erklärung dafür und nannte seine Äußerung ein Zitat aus einem Stück des verstorbenen Künstlers Fredl Fesl, das ihm spontan über die Lippen gekommen sei. „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten.“ Alfred Raimund „Fredl“ Fesl (1947–2024) war ein niederbayerischer Musiker, Sänger und Kabarettist.
Weiter schrieb Reiter: „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung.“
Ihm sei bewusst, dass der Münchner Stadtrat im Februar 2022 mit dem Beschluss „N-Wort ächten“ deutlich gemacht habe, dass die Verwendung dieses Begriffs als rassistisch einzuordnen und abzulehnen ist, so der Oberbürgermeister. „Dieser Haltung schließe ich mich selbstverständlich an. Gerade als Oberbürgermeister habe ich eine besondere Verantwortung für einen respektvollen, sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander.“
„Unabhängig von persönlicher Absicht oder Kontext bleibt die Verwendung eines rassistischen Begriffs diskriminierend“, entgegnete dem das Netzwerk Rassismusfreies Bayern. „Wer einen solchen Begriff verwendet – insbesondere in der Vorbildfunktion eines politischen Vertreters – kann sich nicht allein durch eine nachträgliche Entschuldigung oder durch den Verweis auf einen vermeintlichen Zitatkontext aus der Verantwortung ziehen.“
Die Aktivisten verweisen ebenfalls auf den Beschluss des Münchner Stadtrats, wonach die Verwendung rassistischer Sprache als Störung des ordnungsgemäßen Sitzungsablaufs im Sinne der Geschäftsordnung zu werten ist und entsprechend Ordnungsmaßnahmen zu prüfen sind. „Solche Beschlüsse dürfen keine symbolischen Erklärungen bleiben. Sie müssen auch dann gelten, wenn politisch Verantwortliche selbst von ihnen betroffen sind“, erklärten sie.
In Bayern stehen am Sonntag Kommunalwahlen an. Reiter strebt dabei mit 67 Jahren eine dritte Amtszeit an. Er geht als Favorit in die Wahl, war zuletzt allerdings erheblich unter Druck geraten. So musste er Versäumnisse bei seinem Engagement für den FC Bayern München einräumen, wo er nach Jahren im Verwaltungsbeirat nun in den Aufsichtsrat wechseln will.
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