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Müllberg nahe Wohngebiet in DelitzschUnd niemand fühlt sich verantwortlich

40.000 Tonnen Asche und Schlacke lagern im sächsischen Delitzsch in der Nähe zu Wohnhäusern. Proben weisen auf eine Kontaminierung hin.

Michael Bartsch

Aus Dresden

Michael Bartsch

Was haben Grüne und Umweltschützer gegen ein Biomassekraftwerk? Im Prinzip wenig – wenn die entstehenden Abfälle ordnungsgemäß gelagert und entsorgt werden. Doch im nördlich von Leipzig gelegenen Delitzsch ist das offenbar nicht der Fall, das örtliche Kraftwerk sorgt mit Nachrichten von Umweltsauereien immer wieder für Ärger.

Nun haben die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Landtagsfraktion der sächsischen Bündnisgrünen erneut die ordnungswidrige Lagerung von mindestens 40.000 Tonnen Filterasche und Kesselschlacke unter freiem Himmel und in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet angeprangert. Entnommene Proben weisen außerdem auf eine Kontaminierung des Abfallbergs hin.

In dem Kraftwerk werden jährlich etwa 140.000 Tonnen Festbrennstoffe und Althölzer verbrannt. In der kurzen Betriebszeit seit 2003 wechselte nach Insolvenzen bereits dreimal der Besitzer. Auch der aktuelle, die Knock on Wood GmbH, geriet in Schieflage. Gegen den zweiten Betreiber Goaz Energy GmbH und die Knock on Wood GmbH laufen bei der Staatsanwaltschaft Leipzig mehrere Verfahren wegen Insolvenzverschleppung und Umweltdelikten.

Probleme mit der Einhaltung von Umweltschutzbestimmungen gab es in Delitzsch von Anfang an. Doch ein Verlangen des Landratsamts, den Schlackeberg bis Oktober 2014 zu beräumen, wurde zum Beispiel vom damaligen Betreiber schlichtweg ignoriert. Zu einer entsprechenden Anfrage äußerte sich die Goaz nicht.

Bürger, die Proben des Abfallbergs durch ein akkreditiertes Analyselabor untersuchen ließen, stellten erhebliche Grenzwertüberschreitungen beim Gehalt an Blei und Cadmium fest. Der Bürgerverein „Sauberes Delitzsch“ stellte Anfang 2016 sogar Strafanzeige gegen die Betreiber und die Aufsichtsbehörde, das Landratsamt Nordsachsen.

Kritik von Umweltschützern

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch kritisiert auch die sächsischen Behörden. Den Müllberg habe vom Landratsamt „keiner sehen wollen“. Das sächsische Umweltministerium gibt an, dass die Halde wegen eines vermeintlich dichten Untergrunds keine Gefahr darstelle. Die Umweltschützer zweifeln auch eine Untersuchung an, die der Insolvenzverwalter des früheren Betreibers Goaz bei der Firma Stork Umwelt GmbH in Auftrag gegeben hatte. Diese stehe Goaz nahe. Es überrasche deshalb nicht, dass das Gutachten die Halde für unbedenklich hält.

Die DUH verlangt daher vom Landratsamt, einen Untersuchungsauftrag an ein unabhängiges und neutrales Prüflabor zu vergeben. Eine Analyse müsse den Kriterien der Bundesbodenschutzverordnung genügen. Auf Nachfragen dazu antwortete das Landratsamt Nordsachsen nicht.

Der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde forderte vom Landratsamt mehrfach vergeblich eine unabhängige Probenentnahme auf dem Kraftwerksgelände. Nachdem schon 2015 der staatliche Braunkohlesanierer LMBV an einem vorbeifließenden Graben erhöhte Zink- und Cadmiumwerte gemessen hatten, wurden solche Prüfungen in diesem Juli durch den eigenen Abwasserzweckverband bestätigt.

Derzeit ist das Biomassekraftwerk wegen einer Revision abgeschaltet. „Nur wenn technisch massiv nachgerüstet wird und das Schlackeproblem gelöst ist, kann das Kraftwerk wieder den Betrieb aufnehmen“, verlangt Volkmar Zschocke, Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion Sachsen.

Damit wird aber derzeit nicht gerechnet. Grüne und DUH verlangen deshalb die Festsetzung von Sicherheitsleistungen durch das Landratsamt, um bei einer Stilllegung die Altlastenentsorgung zu gewährleisten. Eine solche sofortige Stilllegung verlangen die Kritiker, wenn der neue Betreiber den Auflagen und Nachsorgepflichten nicht nachkommen sollte. Die Vorgänge im Kraftwerk bedürften der Aufklärung – auch im Hinblick auf die Arbeit des Umweltamts im Kreis Nordsachsen.

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