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Morgens auf dem AmtI love Einbürgerung

Endlich ist der Antrag durch. Die letzten Monate waren ein Kampf gegen dessen Ablehnung gewesen. Sogar miesgelaunte Beamte sind daher heute egal.

D urch das geöffnete Bürofenster dringt der Lärm der Erknerstraße. „Was hat Liebe damit zu tun?“, singt Tina Turner im Radio. „Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt der weißhaarige Mann hinter seinem Schreibtisch im Bürgeramt Neukölln.

Seine Frage überrascht mich. Ich glaubte, alle würden Bescheid wissen, warum ich früh am Morgen da sitze. „Ich möchte meinen deutschen Pass beantragen. Ich wurde gestern eingebürgert“, antworte ich.

Er streckt die Hand nach mir aus: „Ihren alten Pass, bitte“, und nimmt einen Schluck aus einer grünen Limonadendose, während ich in meiner Tasche wühle.

Der Beamte vom Landesamt für Einwanderung, der mir am Tag zuvor die Urkunde überreichte, war formell, aber seine Augen hatten mich die ganze Zeit angelächelt. Wir waren zu dritt, meine Begleitung saß hinter mir, fast wie Bodyguards.

Davor hatten wir zwischen anderen Menschen mit Pappmappen auf dem Schoß darauf gewartet, aufgerufen zu werden. Wir machten Fotos mit den kleinen Fähnchen auf den Tischen – als wären wir auf einer UNO-Konferenz. Fotos von mir wurden auch gemacht, nachdem ich das „Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ abgelegt hatte.

Nach der Zeremonie fuhren wir im Nieselregen zurück nach Neukölln und tranken eine Flasche Sekt in einem Café. Die letzten Monate waren ein Kampf gewesen. Drei Jahre hatte ich auf eine Antwort des Amtes gewartet. Und auf einmal wurde von mir verlangt, den Antrag zurückzuziehen. Die taz intervenierte mit einem Brief, der meinen Sachbearbeiter „sehr irritierte“. Andere Kol­le­g*in­nen schrieben ebenfalls Briefe für mich. Und dann kam eine E-Mail mit dem Betreff: Einladung zur Einbürgerung. Von einem Tag auf den anderen.

An diesem Morgen im Bürgeramt bin ich so erleichtert, dass es mir nichts ausmacht, dass der Mitarbeiter sich nicht für mich freut. Ich unterschreibe, wo er mit dem Finger hinzeigt. „What’s love?“, singt Tina Turner im Hintergrund weiter.

Luciana Ferrando

Luciana Ferrando

Jahrgang 1978, ist freie Autorin. Fast 10 Jahre lang war sie in verschiedenen spanischsprachigen Redaktionen, Zeitungen und Magazinen in ihrem Heimatland Argentinien tätig. Im Jahr 2008 migrierte sie nach Deutschland. Seit 2015 schreibt sie unter anderem Porträts, Reportagen und Kolumnen für deutsche Medien wie die taz, am liebsten über Stadtleben, feministische Themen, Kulinarisches und die Liebe. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Foto: Naïma Erhart
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