Kindliche Kleintierforschung: Paul pfeift sich eins
Käfer, Waldmäuse, keine Spinnen – bei der Erkundung der Wesen, die gern im Garten herumkrabbeln, kommt einem auch mal Mozart in den Sinn.
D ie letzten warmen Tage. Es hat lange nicht geregnet, und das tapfere Grünzeug unter den Kiefern hängt traurig vor sich hin. Ein dichter Teppich aus Kiefernnadeln bedeckt alles. Muss ich jetzt kurz vorm Herbst wirklich noch gießen? Nebenan gräbt Paul im Beet. Er ist vier Jahre alt und will Käferdoktor werden. Manchmal darf er ein gefangenes Insekt mit ans Bett nehmen, in einem Marmeladenglas mit Blättern und Gräsern. Solange er keine Spinnen ins Haus trägt. Da ist die Mama sehr kategorisch. Und am nächsten Tag müssen die Tiere wieder in die Freiheit entlassen werden.
Paul erforscht auch Mäuse. Es sollen bei uns Brandmäuse und Waldmäuse leben. Dem Nachbarn ist das wurscht, der hat eine Falle aufgestellt, weil die Mäuse angeblich sein Fundament untergraben und die Pest übertragen. Paul rettet die Mäuse. Er hat eine Lebendfalle und weiß, dass Berliner Mäuse gar nicht so auf Käse stehen, sondern auf Rosinen. Seine Gefangenen bringt er weit weg in einen Park. Heute sucht er einen Ameisenlöwen. Nein, das ist kein heimisches Säugetier, sondern eine Larve, die Trichter gräbt und darin Ameisen fängt. Behauptet Paul.
Während seiner „Forschungsarbeiten“ pfeift er gern vor sich hin. Ich folge währenddessen einer Spur von Federn, die sich im Gebüsch verliert. Irgendjemand hatte Taube zum Menü. Eine Katze? Ein Fuchs? Ein Sperber? In meinem Kopf spukt noch die Melodie herum, die Paul gerade gepfiffen hat. Das kann eigentlich nicht sein. Er ist doch erst vier Jahre alt. Ich gehe zurück zu der Stelle, an der er immer noch buddelt. „Sag mal, Paul, weißt du eigentlich, was du da gerade gepfiffen hast?“ Er schaut kurz hoch: „Ja, natürlich. Das ist die Arie des Vogelhändlers aus der Zauberflöte!“
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