Mit Angela Merkel im KaDeWe: Ab heute nur noch Fendi, Amcela

Dank investigativer Arbeit der „Bild“ wissen wir, dass Angela Merkel im KaDeWe einkauft. Mindestens genauso brisant: was sie da gemacht haben könnte.

Ein Model posiert vor eine Werbewand in einem roten Mantel und einem passend rot-blau-weißen Pullover

Shopping-Tour und Austern schlürfen mit Amcela: Man wird ja wohl noch träumen dürfen Foto: Frederic Kern/imago

Die Gerüchte sind wahr: Angela Merkel shoppt im KaDeWe. Das erfuhren wir in der Bundespressekonferenz am 19. 10., als ein Bild-Journalist total investigativ zur Sprache brachte, dass die Kanzlerin mit Einkaufstaschen des Berliner Luxuskaufhauses gesichtet wurde. Was dort nicht aufgedeckt wurde: was im KaDeWe lief.

Vielleicht war es so: Gegen Nachmittag treffen Amcela und ich uns am Haupteingang. Eine schnelle Kippe, bevor es reingeht. „Amcela, bist du bereit für dein Queer-Eye-Makeover?“, frage ich sie und versuche, ernst zu bleiben. Amcela verdreht nur die Augen und zieht extra lang an ihrer Vogue. „Du weißt eh“, führe ich fort, „es ist nicht dein Style, der dich problematisch macht. Eher deine Fraktion. Du hängst mit zu vielen Katastrophen ab.“

Amcela drückt ihre Zigarette aus, wir ziehen unsere FFP2-Masken über und gehen rein. Direkt bei Fendi beobachte ich, wie ihr Gang langsamer wird. Ich greife ihr Handgelenk. „Noch nicht, Amcela“, murmele ich.

Wenige Meter später streckt Amcela ihren Zeigefinger aus. „Prada? So wie Prada Loth?“

Ich nicke langsam, mit einem lieben Blinzeln, so wie Deutsche es mögen, das gibt Zuversicht. „Prada, so wie: was sonst?“, frage ich geduldig. Und dann: „Ich wusste gar nicht, dass du auf Twitter bist.“

„Hm?“ Sie schaut mich nicht an, wir stehen auf den Rolltreppen. „Prada Loth – das weiß nur, wer bei Twitter ist.“

Ihre Augen deuten ein Grinsen unter der Maske an. „Natürlich bin ich auf Twitter. Aber nicht mit Klarnamen.“ Stille. „Hab einen Dark Account.“ Dass sie ein Schloss vor ihren Twitter-Grind hängt, ist mir sympathisch. Wir landen im dritten Stock – Klamotten, Schuhe, Unterwäsche.

„Was trägst du so im Homeoffice, Amcela?“, will ich wissen.

„Nichts.“

„Wie, nichts?!“

„Na, irgendwas halt.“

In dem Moment nehme ich einen Fendi-Jogginganzug und drücke ihn ihr in die Hand. „Nimm mal. Hab auch einen beigen Jogginganzug. Beige und braun. Moccachino-Look. Den brauchst du auch.“

Ohne große Widerrede probiert sie an. Dazu ein paar plüschige UGG-Slipper für die Bodenständigkeit. Sie behält das Outfit gleich an. Bei jeder Gelegenheit macht sie Witze über Müll und über schlecht sitzende Sakkos ihrer Kollegen. Erst lache ich, dann kicken die Kaufhaus-Kopfschmerzen. Irgendwie hatte ich mir das glamouröser vorgestellt. Wir fahren ganz nach oben. In unseren Moccachino-Looks schlürfen wir Champagner. Die Auster tropft an meinem Kinn herunter, als ich den finalen Make-Over-Step ausspreche: „Dump him, Amcela.“

„Wen?“

Seehofer. Wen sonst?“

Sie dreht ihren Kopf, will das Thema beenden. Also beende ich es für sie.

„Ab heute nur noch Fendi, Amcela.“

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Hengameh Yaghoobifarah studierte Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni Freiburg und in Linköping. Heute arbeitet Yaghoobifarah als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik.

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