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Millie Brights Abschied von FeldKarriereende einer Pionierin

Die Verteidigerin hat Dutzende Titel gewonnen. Nun macht ihr Körper nicht mehr mit. Auch unter dem Hass nationalistischer Fans hatte sie zu leiden.

Schlussapplaus: Millie Bright beendet ihre Karriere Foto: UK Sports Pics/imago

Millie Bright, die Innenverteidigerin aus Chesterfield gehört zu jener Generation von Spielerinnen, die den jüngsten Aufstieg des Fußballs der Frauen am eigenen Leib erlebt und gestaltet – und durchaus einen hohen Preis dafür bezahlt hat: Immer wieder wurde sie von Verletzungen geplagt und zudem Zielscheibe von Hass-Kommentaren.

Als Bright 2009 ihren ersten Vertrag bei den Doncaster Belles unterschrieb, einem der späteren acht Gründungsvereine der Women’s Super League (WSL), spielte sie noch vor kleinen Kulissen. Die großen Arenen kamen erst später und auch mit dem Wechsel zu Chelsea im Jahr 2014 nicht sofort.

Der Weg zur Erfolgsserie mit 20 Titeln bei Chelsea FC, einer WM-Finalteilnahme, dem Europameisterinnentitel mit England 2022, war zunächst nicht von professionellen Bedingungen geprägt. Bright erinnert sich in den Klubmedien: „Wir haben früher ganze Trainingseinheiten in einem winzigen Schuppen absolviert.“ Bei Regen ging es mit dem Gewichte-Schlitten nach draußen. Erst in den 2020ern gab es ein eigenes Fitnessstudio für die Frauen. „Ich bin stolz darauf, dass wir mit nichts gewonnen haben. Das hält bescheiden.“

Gewonnen hat sie eine Menge: Acht Meisterschaften, sechs FA Cups, vier League Cups, zweimal das nationale Triple. Mit 314 Pflichtspielen ist sie Chelseas Rekordspielerin und dienstälteste Spielerin, seit 2023 Kapitänin. Gleichzeitig ist sie mit 216 Liga-Einsätzen Rekordspielerin der WSL und hat – natürlich – die meisten WSL-Titel.

Für England lief Bright 88-mal auf, gekrönt vom Titel bei der Heim-EM 2022. Nationaltrainerin Wiegman setzte auf sie, die sich mit der steigenden Professionalität auch selbst weiterentwickelt hatte. So war aus der in der Jugend wild anlaufenden und zu oft grätschenden Spielerin längst eine Strategin geworden. Ihre Kopfballstärke und ihr Spielaufbau prädestinierten sie zudem für Wiegmans Kniff, sie gelegentlich in den Sturm zu schicken, um Bälle festzumachen.

Ich hoffe, dass wir auf das Spiel aufpassen, nicht zulassen, dass es ein toxischer Ort wird

Millie Bright

Verteidigerin ohne Sinn für Unsinn

Bei der WM 2023 war sie in Abwesenheit der verletzten Leah Williamson Kapitänin und führte die Lionesses bis ins Finale. Im Kern blieb Bright immer eine „No-Nonsense-Verteidigerin“, wie man in England so schön sagt. Auch im öffentlichen Auftreten.

Sie habe sechs Jahre lang verletzt gespielt, erzählte sie der BBC. Wegen einer Knöchelverletzung stand die 32-Jährige seit Februar nicht mehr auf dem Platz, im Sommer erneut angeschlagen in eine Vorbereitung zu gehen: zu viel. Den Lionesses hatte sie vor der EM 2025 abgesagt, sie könne „weder mental noch körperlich“ alles geben. Damit zog sie den Hass der Fußball-Nationalist:innen auf sich.

„Die ganzen Anfeindungen waren zu viel für mich. Im letzten Jahr habe ich mich selbst verloren und es hat lange gedauert, mich selbst wieder aufzufangen“, so Bright. Die Erfahrung, dass mit der gewachsenen Aufmerksamkeit auch diese Schattenseiten immer stärker Einzug in den Fußball der Frauen hält, machten Spielerinnen zuletzt vermehrt, so erlebte beispielsweise ihre ehemalige Teamkollegin Jess Carter rassistische Anfeindungen. „Ich hoffe, dass wir auf das Spiel aufpassen, nicht zulassen, dass es ein toxischer Ort wird“, wünscht sich Bright.

Erstmal bleibt sie Chelsea als Vereins-Botschafterin und Stiftungstreuhänderin erhalten. Und will ihre neu gewonnene Freiheit genießen: „Im Leben muss man Entscheidungen treffen. Im Fußball werden uns die Antworten immer vorgesetzt: wo wir sein, was wir essen und wann wir zum Training kommen sollen. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich bereit bin, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

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