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Mexiko gegen SüdkoreaFeuerwehrmann gegen das Trauma

Seit Jahrzehnten verpasst Mexiko das Quinto Partido, das fünfte Spiel bei der WM. Trainer Javier Aguirre soll es richten. Kann sein Team das schaffen?

Alina Schwermer

Aus Morelia

Alina Schwermer

Es ist derzeit schwer, durch eine mexikanische Stadt zu gehen, ohne auf Menschen in grünen Trikots zu treffen. An jedem beliebigen Tag, ob das Nationalteam nun spielt oder nicht, tragen Bür­ge­r:in­nen öffentlich Mexikokluft, und noch im letzten Kiosk hängt ein Fernseher, auf dem die WM-Partien laufen. Doch trotz der großen Begeisterung und des Auftaktsieges der Mexikaner mit 2:0 gegen Südafrika ist die Stimmung ein wenig volatil im Land des Gastgebers. Denn so ganz sicher sind sich viele nicht, was dieses mexikanische Team wirklich kann.

Fußballerisch jedenfalls ist da viel Luft nach oben: Der Auftaktkick verlief eher zäh, aus der Überlegenheit gegen Südafrika entstanden wenig echte Chancen, und zwischenzeitlich waren im Stadion gar Buhrufe zu vernehmen. Das anstehende Spiel gegen den mutmaßlich stärksten Gruppengegner, die schnellen und technisch starken Südkoreaner, wird nun also zum ersten echten Härtetest.

„Können wir besser sein?“, fragte Trainer Javier Aguirre, um die Frage gleich selbst zu beantworten: „Ja klar, und wir müssen.“ Offenkundige Probleme wie die Schwäche im letzten Drittel und Wadenkrämpfe einiger Spieler begründete er mit Nervosität. „Es ist ein brutales Szenario, wenn man die WM eröffnet. Sie hatten ein bisschen Lampenfieber.“ Aguirre erklärte aber auch: „Wenn jemand gebuht hat, ist es die Pflicht der mexikanischen Spieler, das nicht noch mal passieren zu lassen.“ Der Druck auf die Elf ist enorm im eigenen Land. Ein wenig hat der Trainerroutinier das noch angeheizt, indem er die Außenseitergruppe mit Südkorea, Südafrika und Tschechien als „Geschenk“ bezeichnete. Nach einiger Kritik ruderte er zurück.

Tatsächlich ist die Gruppe A für das eher mittelmäßig besetzte mexikanische Team vielleicht die beste Chance, weit zu kommen bei dieser Weltmeisterschaft. Wenn Mexiko die Partie gegen Südkorea gewinnt, könnte man als mutmaßlich Gruppenerster noch zwei mögliche K.-o.-Partien im Aztekenstadion spielen und den Heimvorteil nutzen.

Dem Favoriten erst mal aus dem Weg gehen

Nicht zuletzt würde man auf diese Weise den Favoriten vorerst aus dem Weg gehen. Denn da ist ja noch das berühmte Trauma vom Quinto Partido, der fünften Partie, die Mexiko über Jahrzehnte verpasste. Diesmal, WM-Modus sei Dank, wäre das Quinto Partido schon das Achtelfinale. Nach dem Vorrundenaus bei der WM 2022 geht es allerdings erst mal vor allem darum, eine erneute Blamage abzuwenden.

Diese Krise war es, die den 67-jährigen Aguirre zum dritten Mal ins Amt des Nationaltrainers spülte. Nachdem die Mexikaner auch bei der Copa America 2024 schon in der Gruppenphase gescheitert waren, rief der Verband mal wieder nach dem Feuerwehrmann. Dem Mexikaner mit baskischen Wurzeln eilt der Ruf des Kämpfers voraus, der unangenehme Aufgaben nicht scheut.

Tatsächlich hat sich unter Aguirre der Wind gedreht: Mexiko gewann 2025 erstmals die Concacaf Nations League sowie im selben Jahr mit einem Sieg gegen Gastgeber USA den Gold Cup. In die WM ging man mit der breiten Brust von acht Partien ohne Niederlage. Jedoch hat das Team kaum herausragende Spieler und wenig Qualität in der Breite. Man sei „eine große Familie“, verkünden Trainer und Spieler gern. Diese Familie ist darauf angewiesen, dass personell möglichst nichts passiert.

Doch die Familienvollständigkeit wackelt schon vor dem Spiel gegen Südkorea. Innenverteidiger César Montes ist nach seiner Roten Karte gesperrt; auch der Einsatz von Rechtsaußen Israel Reyes ist aufgrund muskulärer Probleme unsicher. Und spekuliert wird über einen weiteren, diesmal freiwilligen Wechsel, damit Supertalent Gilberto Mora in die Startelf rücken könnte.

Der erst 17-Jährige ist das große Thema unter mexikanischen Fans. Der jüngste Spieler dieser WM debütierte mit 15 Jahren in der heimischen Liga und stieg dort rasend schnell zum Topspieler auf. In einer Branche, die Teenager nach ein paar starken Auftritten zu Legenden erklärt, wurde Mora bereits mit dem spanischen Genie Andrés Iniesta verglichen. Zu viel Druck? Im Eröffnungsspiel jedenfalls überzeugte der Eingewechselte.

Defensivmann Érik Lira erklärte derweil, dass man am Mentalen arbeite, um sich von der Atmosphäre nicht zu sehr beeindrucken zu lassen. „Wir wissen, dass es eine große Verantwortung ist“, sagte Lira. Und in Anspielung auf das Quinto Partido: „Wir denken nicht an die sechste Partie, sondern an die nächste.“

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