Metastudie zu Männlichkeit: Bedrohtes Ego
Nicht stark genug, nicht männlich genug – Männer werden in ihrer stereotypen Vorstellung von Männlichkeit verunsichert. Das hat weitreichende Folgen.
Männliche Aggression ist für nahezu alle Menschen Teil des Alltags. Seit Jahren steigt die Zahl der Gewalttaten gegen Frauen: Belästigungen, Vergewaltigung, Femizide. Auf Social Media trenden Männer, die oberkörperfrei im Wald stehen, in die Luft boxen und von ihrer „männlichen Energie“ reden.
Gerade in der jungen Generation sind politische Positionierungen an den Außenrändern deutlich: Junge Frauen werden liberaler, junge Männer konservativer. Wie viel Verunsicherung steckt hinter der vermeintlichen Stärke?
Die Studie
In einer Metastudie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Personality and Social Psychology Review erschien, sichtete ein Forschungsteam der Universitäten Kaiserslautern-Landau und Kassel 123 experimentelle Studien, in denen die knapp 20.000 Teilnehmer auf verschiedene Arten und Weisen in ihrer Männlichkeit verunsichert wurden. Zum Beispiel sollten in einem der Experimente die Teilnehmer von ihren Interessen oder Verhaltensweisen erzählen. Daraufhin sagte man ihnen, das sei nicht männlich genug. In einer anderen Studie sollten die Männer stereotypisch weibliche Dinge tun und sich die Nägel lackieren oder einer Puppe Zöpfe flechten.
Danach beobachteten die Forscher*innen, wie solche Momente verunsicherter Männlichkeit das Verhalten verändert – oft im Vergleich zu Teilnehmern verändert, deren Männlichkeit nicht infrage gestellt worden war. Dafür ließen sie die Teilnehmer je nach Experiment zum Beispiel über ihre Gefühle sprechen, auf Boxsäcke boxen oder beobachteten sie in Gruppen. Verunsicherte Männer reagierten sehr emotional, äußerten Ärger, Angst und Unwohlsein und wurden aggressiv.
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Sie neigten durch die Verunsicherung stärker dazu, autoritäre Machtverhältnisse und kriegerische Handlungen zu befürworten. Die Metastudie zeige, sagt Sozialpsychologin und Studienautorin Lea Lorenz, Männer mit „bedrohter Männlichkeit“ werten andere eher ab, sprechen queeren Menschen die Rechte ab und verhalten sich frauenfeindlicher, als Männer, die sich in ihrer Männlichkeit sicher sind.
Was bringt’s?
Lea Lorenz sieht in dem aggressiven und ausgrenzenden Verhalten einiger Männer in den Experimenten einen Versuch, ihre Männlichkeit wiederherzustellen. Die Experimente zeigten allerdings nicht, wie Männer im Alltag zwangsläufig reagieren und die Erkenntnisse ließen sich deswegen nicht direkt übertragen. Männliches Verhalten werden auch dadurch geprägt, welche gesellschaftlichen Männlichkeitsbilder dominieren und wie Einzelne ihre Männlichkeit definieren.
Deshalb braucht es in den Augen von Lea Lorenz mehr Debatten über vielfältige Männlichkeiten. Männer müssten darin unterstützt werden, ein Selbstbild aufzubauen, mit dem sie sich nicht ständig fragen, ob etwas männlich ist oder nicht. Stattdessen sollten sie sich mehr an positiven Werten und Grundeinstellungen messen.
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