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Metas ZensurpolitikInstagram cancelt Berliner Kitkat-Club

Profile der Berliner Clubs Kitkat und Insomnia wurden ohne Vorwarnung gelöscht. Seit Monaten geht Meta gegen queere Inhalte vor.

Im Kitkat-Club in Berlin bei einer schwulen Party Foto: XAMAX/dpa
Erik Peter

Aus Berlin

Erik Peter

Der Instagram-Account des Kitkat-Clubs ist wieder aufrufbar. Doch mit lediglich einem halben Dutzend Beiträgen ist offensichtlich: Hier stimmt etwas nicht. In einem der jüngsten Posts bewirbt das Kitkat zudem einen Account auf der Plattform Werz – als „Alternative zu den Big Tech Social-Media-Plattformen“, wie es heißt.

Kurz vor Ostern hatte Meta, der US-amerikanische Konzern hinter Instagram, den Account des sexpositiven Clubs mit 220.000 Followern ohne Vorankündigung gesperrt. Betroffen war nicht nur Berlins bekanntester Club jener Szene, sondern auch Profile des Nacht- und Swingerclubs Insomnia in Tempelhof sowie von Partyveranstaltern wurden gesperrt.

Wie zunächst der RBB berichtete, wurden beide Betreiber mit ihren verifizierten Accounts nicht über konkrete Gründe der Löschung informiert. Erfolgt sei lediglich ein Hinweis, dass die Konten beziehungsweise Aktivitäten gegen „Gemeinschaftsstandards“ verstoßen hätten. Welche das sein sollen, bleibt unklar. Aus dem Insomnia hieß es dazu: „Wir haben eine sehr strikte Bilder-Policy – FSK 12 –, das bedeutet, dass alles bedeckt ist. Es gibt keine freien Brüste zu sehen oder sonst irgendwelche Genitalien.“

Beide Clubs hätten umgehend Widerspruch eingelegt, auch weil die Accounts zentrale Kommunikationskanäle seien: Laut Insomnia seien sie essenziell für „Veranstaltungsankündigungen, Reichweite, Communitypflege, Gästeinformation und ganz konkret auch für den Ticketverkauf“. Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet, um sich auch rechtlich gegen die Löschung zu wehren.

Während der Original-Account des Kitkat, zwar leicht geschrumpft, vorerst wieder hergestellt ist, wurde das Konto des Insomnia mit 25.000 Followern unwiderruflich gelöscht. Der Club ist nun mit einem neuen Kanal präsent, auf dem es heißt: „In einer ohnehin schon schwierigen Nightlife-Szene trifft uns das bis ins Mark.“ Die Löschung sei „ein direkter Angriff auf unseren Club, unsere Mitarbeiter und alle Gäste, die hier ihre Freiheit gefunden haben“.

Queere Inhalte werden gelöscht

Meta verbietet in seinen Richtlinien explizite sexuelle Darstellungen, zu denen auch entblößte Genitalien oder, in den meisten Fällen, sichtbare Brustwarzen gehören. Die Löschung von Inhalten übernimmt eine KI, die zu Overblocking neigt, wie Kri­ti­ke­r:in­nen seit Langem sagen. Im Zweifel wird also gelöscht.

Doch dass hinter der Löschung einzig eine übersensible KI steht, muss zugleich bezweifelt werden. Denn laut der NGO Repro Uncensored wurden seit Mitte März weltweit mehr als 40 Accounts mit feministischen, queeren und sexpositiven Angeboten gesperrt. In einem Beitrag heißt es: „Das ist kein Einzelfall der Zensur. Es ist ein breites Muster der Unterdrückung.“

Gelöscht wurde etwa die Seite des Online-Shops Belessa Boutique mit mehr als 700.000 Followern, die Sexspielzeug für Frauen anbietet. Meta begründete den Schritt mit der Verwendung von „sexuell expliziter Sprache“, etwa dem Begriff „Klitoris“. Bereits im Dezember wurden Dutzende Konten von Anbietern von Abtreibungsdienstleistungen, queeren Gruppen und Organisationen für reproduktive Gesundheit gelöscht oder eingeschränkt.

Betroffen waren in jüngster Zeit auch diverse Accounts von Clubs und Partyreihen etwa in London und Amsterdam. Dabei fällt die Sperrung von europäischen Accounts unter das EU-Gesetz über digitale Dienste. Demnach müssen User nicht nur Erklärungen für das Konzernhandeln erhalten, sondern auch die Möglichkeit der Wiedergutmachung.

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8 Kommentare

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  • Reicht die eigene Webseite nicht aus?.

  • Kitkat ist Nestle, und Nestle ist bekanntlich böse.

    • @Janix:

      Sie Nestlébeschmutzer!

  • Im Zweifel wird also gelöscht.

    Das ist doch Standard! Da wo kontrolliert oder moderiert wird, passiert es halt. Die Meinung gefällt nicht oder das widerspricht den AGBs und schon wird nicht veröffentlicht oder gelöscht.

    Und wer auf us-amerikanischen Medien zuviel zeigt, muss mit Reaktionen rechnen.



    In den USA sind Nippel tabu, Hakenkreuzflaggen sind in Ordnung, in Deutschland ist es umgekehrt.

    Im Ausland ist es halt anders.

  • Meta usw sind freie Meinungsäusserung herzlich egal. Denen geht es nur ums Geld verdienen, indem man versucht die Nutzer abhängig zu machen. Dass jetzt auf einmal restritkiv bestimmt Inhalte geblockt werden, liegt in der momentanen amerikanischen Regierung begründet, der sich die Unternehmen andienen wollen damit sie wirtschaftliche Vorteile daraus ziehen können. Mehr nicht.

  • Wer braucht Instagram für was?

  • Wie wäre es mit gemeinsamen canceln von Instagram?

    • @pesetenpaule:

      Eben! Das Kinkperium schlägt zurück.