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„Messer-App“ der Berliner AfDErkenntnisgewinn null

Erik Peter

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Erik Peter

Die AfD will auf einer neuen Website Vorfälle mit Messern sammeln, doch die bietet keinerlei Nutzen. Dahinter steht der Versuch, rassistische Ressentiments zu schüren.

Nehmt der AfD die Messer weg! Foto: dpa

A pril 2024: Zwei Antifaschisten tragen bei einer Auseinandersetzung mit einem Neonazi in Pankow schwere Verletzungen davon. Sie haben bis zu 15 Zentimeter lange Messerstiche in der Brust, im Oberschenkel und am Handrücken. Mai 2025: Bei einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus in Strausberg stört ein lokaler Abgeordneter der AfD zunächst eine Gedenkrede, dann zückt ein weiterer Stadtverordneter ein Messer und bedroht Teilnehmer. März 2026: Zwei mutmaßliche Neonazis beleidigen in Friedrichshain linke Jugendliche, dann zieht einer eine Machete und drischt auf eines der Opfer ein, das dabei Schnittverletzungen erleidet.

Es sind drei Meldungen, die nur schwerlich in die rassistische Erzählung von „importierter Messergewalt“ passen. Doch die AfD ficht das nicht an. Die Partei ist vernarrt in das Tatwerkzeug Messer – immer in der gedanklichen Verbindung mit der Zugschreibung „krimineller Ausländer“. In dieses Bild passende Vorfälle nutzt sie zur systematischen Hetze. Mit ihrem „Einzelfall-Ticker“ sammelte die AfD schon vor Jahren Meldungen zum angeblich „wahren Ausmaß“ von Mi­gran­t:In­nen begangenen Straftaten.

Die Berliner AfD um ihren innenpolitischen Sprecher Thorsten Weiß bedient sich nun derselben Methode. Am Mittwoch präsentierte sie großspurig eine „Messer-App“, bei der es sich um eine profane Website handelt, die Meldungen der Berliner Polizei zusammenträgt und auf einer Karte markiert.

Die Zusammenstellung der Fälle ist so schlampig wie die Website schmucklos

Aus dem März sind dort 17 Polizeimeldungen verzeichnet, wobei eine aus Iserlohn in Nordrhein-Westfalen stammt, andere ohne jeden Bezug zu Messern auskommen, etwa die jüngste über eine Schießerei in Moabit. Die Zusammenstellung ist so schlampig wie die Website schmucklos. Und der Erkenntnisgewinn durch eine Auflistung öffentlicher Polizeimeldungen ist gleich null.

Angst schüren

Doch das Motiv wird dennoch deutlich: Es geht darum, einem Unsicherheitsgefühl gegenüber Mi­gran­t:in­nen weiter Futter zu geben. Nebenbei hofft man auf den Nachweis, das das Problem größer und migrantischer ist, als es die polizeiliche Kriminalitätsstatik ausweist. Beide Zahlen finden sich als direkter Vergleich zur eigenen Zählung auf der Website.

Doch der Versuch ist zum Scheitern verurteilt, denn die wenigsten Fälle werden durch Polizei oder Medien öffentlich. Die Statistik weist für das vergangene Jahr 3.599 Fälle mit einem Messer als Tatmittel auf, ein Großteil davon Bedrohungen. Von 1.906 Tatverdächtigen waren 86,1 Prozent männlich, 56,4 Prozent und damit weniger als im Vorjahr hatten eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Christian, Nico und Ali waren übrigens 2022 die häufigsten Vornamen von Tatverdächtigen, seitdem werden diese nicht mehr herausgegeben; auch mangels Erkenntniswert.

Zu einer notwendigen Debatte darüber, wie sich der Verbreitung von Messern, insbesondere bei jungen Männern entgegenwirken lässt, hat die AfD nichts beizutragen. Ihre Anhänger allerdings tragen zu den hohen Zahlen bei.

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Erik Peter
Politik | Berlin
Leiter der Berlin-Redaktion und Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".
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5 Kommentare

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  • Die app ist Käse, und reiner Populismus. Genau so wenig hilft es aber einfach so zu tun, als ob es nicht bei gewissen migrantischen Gruppen massive Probleme mit Messergewalt gibt. Wenn Ausländer ca. 16 Prozent der Menschen in Deutschland ausmachen, aber über die Hälfte der Fälle ausmachen müssen wir darüber dringend reden. Sonst übernehmen die Rechten das Thema mit bekanntem Ausgang.

  • Na ja. Wer erhofft sich auch einen Erkenntnisgewinn von einer AfD App? Solche Dinge werden veröffentlicht, um Weltbilder zu zementieren.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Das trifft auf den Artikel und ihren Kommentar aber auch zu. Denn prinzipiell sind Daten erstmal einfach nur Daten. Manche wollen sie sehen, andere blenden sie gezielt aus.

      • @Moralapostbote:

        Daten sollten einfach nur Daten sein. In der Praxis ist es aber so, dass Daten sehr häufig mit einer bestimmten Absicht verbreitet werden und sie dazu entsprechend ausgewählt und aufbereitet werden.

  • Es gibt sogar einen eigenen youtube channel "Messerradar" der gegen Messerstecher hetzt ;)