Macron auf Staatsbesuch in Syrien: Hoffen auf lukrative Deals
Der Besuch des französischen Präsidenten in Damaskus ist kein business as usual. Er entkommt einem Anschlag. Seine Delegation will Geschäfte machen.
Foto: Ludovic Marin/afp
In der Umayyaden-Moschee in Damaskus stehen zwei goldene Stühle, darauf sitzen in weißen Hemden Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Letzterer trägt eine Sonnenbrille und schreibt ins Gästebuch: „Ich freue mich, hier zu sein, bei diesem lebendigen Zeugnis des Stadtgedächtnisses und der langen Jahrhunderte an Geschichte, Religionen und Zivilisationen, die es verkörpert.“
Macron ist am Montagabend in Syriens Hauptstadt gelandet. Es ist der erste Staatsbesuch eines französischen Präsidenten seit 17 Jahren und der erste eines westlichen Staatschefs im „Neuen Syrien“. Nur um Geschichte und Kultur geht es bei dem Besuch natürlich nicht. Investoren und Vertreter französischer Unternehmen begleiten Macron – sie hoffen auf lukrative Deals.
Der Krieg hatte die Wirtschaft des Landes laut Weltbank um rund 83 Prozent schrumpfen lassen. Von den 25 Millionen Menschen in Syrien lebten rund 90 Prozent in Armut – von unter 2 Euro pro Tag. Dann stürzte ein Militärbündnis die Machthaber im Dezember 2024, ihr Anführer Ahmed al-Scharaa ernannte sich zum Präsidenten.
Neue Minister tourten durch Dubai, Paris und Washington und warben damit, Syrien sei „open for business“. Die EU und die USA hoben ihre Sanktionen auf, die neue Regierung gab Wechselkurse frei und öffnete den Handel. In den ersten sechs Monaten investierten Firmen aus Saudi-Arabien, Katar, den Emiraten und der Türkei 28 Milliarden US-Dollar.
Großes Investoreninteresse an Syrien
„Trotz aller Herausforderungen ist Syrien derzeit wahrscheinlich der weltweit attraktivste Frontier Market, ein aufstrebender Markt mit großem Potenzial“, schwärmte Wa’el Alzayat, Geschäftsführer des US-Syria Business Council im April.
Europäische und US-amerikanische Unternehmen waren skeptischer. Der syrisch-französische Wirtschaftsrat veranstaltete deshalb gleich am Montag einen Empfang für die Regierungsvertreter und Wirtschaftsbosse. In den Bereichen Gesundheit, Infrastruktur, Verkehr, Recht und Bildung soll es Absichtserklärungen geben, sagte Wirtschaftsrat-Chef Jamaleddine al-Qasimi.
Syriens Investitionsbehörde wirbt mit Investitionsmöglichkeiten in Start-ups, Technologiezonen, nationale Datenbanken, in Einkaufszentren, Bäckereien oder Projekte des Verkehrsministeriums.
Zuletzt kaufte die kuwaitische Firma Zain eine 20-Jahres-Lizenz für das Mobilfunknetz in Syrien. Für 747 Millionen US-Dollar kaufte das Unternehmen 75 Prozent der Anteile von MTN, einem Unternehmen von Rami Makhlouf, einem Cousin von Baschar al-Assad. Sein korruptes Geschäftsimperium hatte einen Großteil der Wirtschaft ausgemacht.
Macrons Besuch kam mit einem Knall. Zwei Bomben explodierten in der Nähe des Four Seasons Hotel in Damaskus, wo Macron übernachtet. Sein Büro sagte, er habe die Explosionen nicht gehört, die Autokolonne war bereits an dem Ort vorbeigezogen, Richtung Präsidentenpalast. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur berichtete, dass bei den Explosionen 18 Menschen verletzt wurden, darunter 4 Polizisten. Laut Syriens Innenministerium wurden die Sprengsätze in einem Mülleimer und einem geparkten Auto deponiert.
Macrons Besuch sollte die Stabilität Syriens hervorheben. Zwar ist das Land sicherer als unter Assad, und die Zahl der getöteten Zivilist*innen ist drastisch gesunken. Doch radikalislamistische Gruppen sind weiter aktiv. Vergangene Woche tötete eine Bombe in einem Damaszener Café 9 Menschen und verletzte 20. Minderheiten wie Alawit*innen, Kurden*Kurdinnen und Drusen*Drusinnen fürchten um ihre Sicherheit. Sie waren von brutalen Gewaltakten radikaler Gruppen und von Teilen der neuen Regierungstruppen betroffen. Der sunnitische Interimspräsident Ahmed al-Scharaa wiederum ist Islamisten nicht radikal genug.
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