Lufthansa in der Corona-Krise: Den Staat draußen halten

Um zu großen Einfluß des Bundes zu verhindern, denkt die Lufthansa über ein Schutzschirmverfahren nach. Dann könnten leichter Jobs abgebaut werden.

Drei Flugzeuge stehen am Boden

Flugzeuge der Lufthansa sind am Flughafen Frankfurt geparkt Foto: Michael Probst/ap

BERLIN taz/rtr | Die Rettung der von der Coronakrise gebeutelten Lufthansa entwickelt sich zum Poker. Um zu großen staatlichen Einfluss zu vermeiden, wenn Deutschlands größte Airline von öffentlichen Geldern gestützt wird, bringt der Konzern mit 130.000 Mitarbeitern nun offenbar eine andere Sanierung ins Spiel: Die Lufthansa erwäge auch, sich über ein Schutzschirmverfahren zu sanieren, wenn die Gespräche mit dem Bund scheitern. Dies meldeten am Dienstag unter anderem die Agentur Reuters und die Süddeutsche Zeitung.

Verhandlungen auf Staatssekretärsebene mit den Lufthansa-Bossen hatten laut SZ am Montag massive Differenzen aufgezeigt, hieß es. Demnach wolle der Bund Beihilfen in Höhe von bis zu etwa 9 Milliarden Euro in Form einer Kapitalerhöhung und von Krediten gewähren, forderte dafür aber einen Anteil von mindestens 25 Prozent an der Airline und zwei Posten im Aufsichtsrat. Damit hätte er eine sogenannte Sperrminorität, also weitgehende Eingriffsmöglichkeiten. Die Regierung habe zudem einen relativ üppigen Zinssatz von 9 Prozent gefordert.

Wegen der Corona-Pandemie steckt die Luftfahrt in der schwersten Krise der Nachkriegszeit. Die Lufthansa-Gruppe befördert derzeit nur noch 1 Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vorjahr. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte bereits angekündigt, der Konzern müsse dauerhaft schrumpfen.

100 Flugzeuge der rund 760 Maschinen großen Flotte sollten verschwinden, etwa 10.000 Jobs stehen auf der Kippe. Der Abbau so vieler Arbeitsplätze wäre mit den staatlichen Vertretern im Aufsichtsrat aber wohl kaum durchsetzbar. Sie hätten zusammen mit der Arbeitnehmerseite eine Mehrheit in dem Kontrollgremium.

Condor zeigt Risiken auf

Wenn die Auflagen der Rettung die Wettbewerbsfähigkeit zu sehr beschränkten, ziehe man das Schutzschirmverfahren in Betracht, hieß es aus Lufthansa-Kreisen. Allerdings dauerten die Gespräche mit dem Bund noch an. Unter dem Schutzschirm des Insolvenzrechts könnte sich die Lufthansa auch eines Teils ihrer Schulden und der Pensionslasten entledigen. Das Beispiel Condor beweise, dass dieser Weg möglich sei, sagte ein Insider zu Reuters.

Der Ferienflieger Condor zeigt gerade, mit welchen Risiken ein Schutzschirmverfahren verbunden ist. Zwar hatten die Kunden dem Unternehmen die Treue gehalten. Der geplante Verkauf, mit dessen Erlös die Gläubiger befriedigt werden sollten, scheiterte aber, weil der Käufer – die polnische Fluggesellschaft LOT – einen Rückzieher machte. Damit musste doch der deutsche Staat mit einem erneuten Überbrückungskredit einspringen.

Das Schutzschirmverfahren ist eine Art Vorstufe zum Insolvenzverfahren und soll Unternehmen ermöglichen, sich zu sanieren, bevor das Geld ausgeht. Bedingung ist, dass sie noch nicht zahlungsunfähig sind. Oft mündet das Verfahren nach drei Monaten in eine reguläre Insolvenz.

Die Aktionäre würden dann aller Voraussicht nach leer ausgehen. Die Lufthansa ist an der Börse inzwischen weniger als 4 Milliarden Euro wert. Vorbild für das Schutzschirmverfahren ist die Insolvenz nach „Chapter 11“, die in der Vergangenheit zahlreiche US-Fluggesellschaften zur Sanierung genutzt haben.

„Luftverkehr immer politisch“

Um den Druck zu erhöhen, warnte Lufthansa-Chef Spohr am Dienstag in der Zeit vor zu viel Staatseinfluss. „Wenn die Bundesrepublik zu große Einflussnahme auf operative Geschäftsaufgaben nehmen wollte, fordert das vielleicht die österreichische Regierung ebenso ein, dann möglicherweise auch die Schweiz, Belgien, Bayern oder Hessen“, sagte Spohr.

Die Airline verhandelt derzeit auch in anderen Ländern mit den dortigen Regierungen über Beihilfen für ihre angeschlagenen Töchter Swiss, Austrian oder Brussels Airlines. „So“, sagte Spohr, „können Sie einen Konzern nur sehr schwer steuern.“ Luftverkehr sei immer politisch gewesen, aber „es darf nie eine politisch verordnete Frage werden, ob wir von München oder von Zürich aus nach Osaka fliegen“.

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