Luftfahrtmesse ILA bei Berlin: Fluggesellschaften zahlen zu wenig CO2-Preise
Am Mittwoch startet die Luftfahrtmesse ILA – mit Politprominenz und einer neuen nationalen Luftfahrtstrategie. Beim Klimaschutz aber hapert es noch.
Foto: Arnulf Hettrich/imago
Offiziell öffnet die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA am Mittwoch ihre Pforten. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) aber durften das Messegelände am Rande des Flughafens BER im brandenburgischen Schönefeld zum Beispiel schon am Dienstag begehen. Woidke und Wegner waren sich bei ihrem Rundgang einig: Die Luftfahrtindustrie solle wachsen, ganz besonders in der Region, die die beiden Landeschefs unter ihren Fittichen haben.
Auch die Veranstalter der ILA, einer der großen Luftfahrtmessen der Welt, machten noch am Dienstag fleißig Werbung für die 750 Aussteller, die ihre Technologien nahe der Hauptstadt zur Schau stellen. Besonders präsent, passend zur Militär-Affinität der Bundesregierung und Rekordausgaben für Rüstung: militärische Fluggeräte, Drohnen, Kampfhubschrauber.
Das zivile Passagierflugzeug derweil, den Airbus A350, propagieren der Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und das Unternehmen Messe Berlin, gemeinsame Ausrichter der ILA, als „eines der effizientesten Langstreckenflugzeuge“. Dass sich die Branche mit Effizienz und Klimafreundlichkeit allerdings noch immer schwertut, machte am Dienstag ein Papier des Verkehrs- und Umweltverbands Transport & Environment (T&E) deutlich. Demnach kamen Fluggesellschaften bei zwei Dritteln der klimaschädlichen CO2-Emissionen im europäischen Luftverkehr um die Zahlung des CO2-Preises herum. So konnten sie sich Kosten in Höhe von 8,5 Milliarden Euro sparen.
Der Grund, laut T&E: Langstreckenflüge sind zu großen Teilen vom EU-Emissionshandel (ETS) ausgenommen, der den CO2-Preis regelt. „Es ist unverständlich, warum ausgerechnet der Sektor, der mit am meisten Emissionen verursacht, am wenigsten dafür bezahlt“, ärgerte sich Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. „Wir müssen im EU-Emissionshandelssystem alle in Europa abfliegenden Flüge in die Pflicht nehmen.“
Merz stellt neue Luftfahrtstrategie vor
Fliegen gilt als die klimaschädlichste Art der Fortbewegung. In ganz Europa sorgten Flüge im Jahr 2025 für 195 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß. Pro Tonne CO2 zahlten Fluggesellschaften durchschnittlich 19 Euro, wie T&E darlegt – das entspreche nur einem Drittel des regulären CO2-Preises. Profiteure der ETS-Regelung seien vor allem große Airlines, die viele Langstreckenverbindungen anbieten. Billigfluggesellschaften, zum Beispiel das irische Unternehmen Ryanair, zahlten anteilig höhere Emissionskosten, weil sie mehr kürzere innereuropäische Flüge im Angebot haben.
Sebastian Bock, T&E
Aktuell bespricht die EU-Kommission eine Überarbeitung des europäischen Emissionshandels. Bock fordert, die Reform zu nutzen, um den CO2-Preis auf alle Flüge auszuweiten. Das spüle auch Geld in die Kassen der EU-Staaten, das wiederum in die Förderung nachhaltiger Flugkraftstoffe investiert werden könnte.
CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz stellt am Mittwoch bei seinem Besuch der Messe die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung vor – zur Förderung der deutschen Flugbranche.
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