Klimaschädlicher Luftverkehr: Kaum Nachteile, wenn Airlines mehr fürs Klima blechen
Soll Europa auch den internationalen Luftverkehr mit dem Emissionshandel zur Kasse bitten? Eine Studie entkräftet Argumente der Gegner*innen.
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Befürworter*innen der Ausweitung des europäischen Emissionshandels (ETS) auf den internationalen Luftverkehr bekommen kurz vor der anstehenden Überprüfung durch die EU-Kommission neue Argumente. Laut einer Studie des Thinktanks International Council on Clean Transportation (ICCT) fällt die Gefahr des sogenannten Carbon Leakage – also der bloßen Verlagerung von Emissionen durch Verschiebung des Verkehrs auf außereuropäische Drehkreuze – deutlich geringer aus als bislang angenommen.
Bisher sind zwei Drittel der europäischen CO2-Emissionen des Luftverkehrs vom ETS befreit, da Abgaben nur für Flüge innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), nach Großbritannien und in die Schweiz anfallen. Die EU-Kommission erwägt im Rahmen einer für diesen Freitag angekündigten Reform des Emissionshandels, das System auf Langstreckenflüge auszuweiten, die aus der EU abheben. Das würde laut der EU-Behörde eine Benachteiligung europäischer Airlines gegenüber internationalen Konkurrenten beenden. Ankommende Langstreckenflüge würden allerdings weiter ausgenommen, um Konflikte mit Drittstaaten zu vermeiden.
Doch Fluggesellschaften wie die Lufthansa warnten in einem Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor steigenden Ticketpreisen und Frachtkosten. Eine Ausweitung des Emissionshandels würde europäische Airlines benachteiligen und Passagiere auf Drehkreuze wie Istanbul oder Dubai ausweichen lassen.
Auf Basis weltweiter Flugdaten aus dem Jahr 2023 hat ICCT nun zehn Modelle für eine Ausweitung des ETS untersucht. Je nach Ausgestaltung könnten die jährlichen Einnahmen von derzeit rund 4,3 Milliarden Euro danach auf etwa 9 Milliarden Euro steigen, wenn sämtliche internationalen Abflüge aus Europa einbezogen würden. Eine Ausdehnung auf alle ankommenden und abgehenden internationalen Flüge würde sogar bis zu 14,3 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr bringen. Gleichzeitig bliebe die Verlagerung von Emissionen allerdings mit maximal 3,1 Prozent begrenzt. Besonders effizient erscheint ein distanzbasierter Ansatz, der nur die ersten 7.500 Flugkilometer (etwa die Entfernung Berlin–Dominikanische Republik) bepreist: Er würde 96 Prozent der Einnahmen sichern, bei einer „Leakage-Rate“ von lediglich 1,1 Prozent.
ETS-Ausweitung macht Flüge um 1 Prozent teurer
Die Fluggesellschaften sind jedoch gegen höhere Klimakosten. Ryanair, Europas größte Airline, hatte sogar dafür plädiert, auch die innereuropäischen Flüge wieder aus dem ETS herauszunehmen. Die Kosten dafür belaufen sich derzeit etwa auf 7 Euro pro Ticket. ICCT betont, die Verlagerungen ließen sich durch gezielte Instrumente wie Antiumgehungsregeln oder streckenspezifische Freizuteilungen begrenzen.
Der internationale Luftverkehr ist für etwa 3 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Europaweit verursachten Flüge 2025 insgesamt 195 Millionen Tonnen CO₂, knapp ein Drittel der gesamten deutschen Emissionen, und lagen damit erstmals wieder über dem Niveau vor der Pandemie.
Für Passagiere kostet die ETS-Ausweitung wenig. Eine aktuelle Untersuchung der NGO Carbon Market Watch kommt zum Schluss, dass sie einen Flug von Frankfurt nach Singapur um etwa ein Prozent verteuern würde, für die Strecke von Amsterdam nach Istanbul könnten es knapp vier Prozent sein. Die Größenordnungen bei den öffentlichen Einnahmen durch die Abgaben sieht die Studie ähnlich wie ICCT: Wenn alle in Europa startenden Flüge in den ETS eingebunden würden, würde das jährlich zusätzliche 9 Milliarden Euro bringen, mit den ankommenden Flügen stiegen die Einnahmen sogar auf bis zu 19 Milliarden.
Und was tun mit dem Geld? Die Milliarden sollen laut ICCT den Hochlauf nachhaltiger Kraftstoffe und neuer Antriebstechnologien beschleunigen. Damit würde der Emissionshandel nicht nur als Lenkungsinstrument wirken, sondern zugleich die Transformation des Luftverkehrs unterstützen.
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