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Livestream von Stadion-Abriss in MünsterUnter Fans

Baustellencharme trifft auf Fußballnostalgie: Der SC Preußen Münster zeigt im Livestream, wie das eigene Stadion abgerissen wird.

Werktags zwischen 8 Uhr und 19 Uhr, freitags nur bis 18 Uhr beobachten Webcams in Münster, wie Bagger die Ostkurve Stein für Stein abtragen. Live auf Youtube streamt der Fußballverein Preußen Münster die Baustelle am Herzensort jeden Klubs: der Zuschauertribüne.

„Ein wenig verrückt ist es ja schon: Mehr als 10.000-mal wird täglich die Baucam […] angeklickt, um sich über den aktuellen Baufortschritt zu informieren“, wundert sich selbst der Verein in einer Pressemitteilung von vergangener Woche. Doch das ist Münster! Die Münsteraner stehen nicht nur, wie andere Fußballfans auch, zu ihrem Verein. Sie haben dazu noch großes Interesse an der Bauentwicklung ihres Stadions. Aktionen wie der Livestream zeigen, was die Münsteraner Mentalität ausmacht: Hier interessiert man sich füreinander.

Der Zusammenhalt der Menschen in Münster ist enorm, Nachbarschaftshilfe, Vereinsleben, Studentenleben, alles ist sehr von Gemeinschaft und gegenseitigem Interesse geprägt. Vielleicht ist das auch ein kleines Erklärmuster, warum die AfD in Münster nicht so erfolgreich ist. Farblich passt sich die Parteienlandschaft dem schwarz-grünen Preußen Münster an. Münster ist traditionell eine Hochburg der CDU, aber in den letzten Jahren haben sich die politischen Mehrheitsverhältnisse diversifiziert.

Fast ausgeglichenes Verhältnis der Sitze im Rat der Stadt Münster: 23 Sitze CDU und 20 Sitze Grüne. Dass ein Livestream einer Baustelle nicht immer der spannendste Zeitvertreib ist, steht fest. Und trotzdem ist es schön, die Fans an der Veränderung teilnehmen zu lassen. Denn manche mögen auch die Beständigkeit Münsters sehr. Am Ende verändert sich die Stadt nur langsam. So lang der Paulusdom und St. Lamberti weiterhin zur gewohnten Zeit bimmeln, sind die Münsteraner beruhigt.

„Baucam Ostkurve“, werktags auf dem Youtube-Kanal von SC Preußen Münster

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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