Lindner entlässt FDP-Generalsekretärin: Teuteberg eiskalt abserviert

Angesichts mieser Umfragewerte wirft FDP-Chef Christian Lindner seine Generalsekretärin Linda Teuteberg raus – ihr nachfolgen soll ein Mann.

Ein Portrait von Linda Teuteberg - blonde halblange Haare, blaues T-Shirt

Linda Teuteberg wird auf dem nächsten Bundesparteitag durch einen Mann ersetzt Foto: Peter Gercke/dpa

BERLIN taz | Seit Wochen pfiffen es die Spatzen im Berliner Regierungsviertel von den Dächern: FDP-Chef Christian Lindner will seine Generalsekretärin Linda Teuteberg abservieren. Am Montag verkündete Lindner nach Gremiensitzungen seiner Partei auch offiziell, die erst 2019 ins Amt gekommene Teuteberg durch einen Mann zu ersetzen. Auf dem Bundesparteitag im September will Lindner nun Volker Wissing, den FDP-Chef in Rheinland-Pfalz, als neuen Generalsekretär vorschlagen.

„Wenn sich Themen verändern, muss sich auch die Teamaufstellung ändern“, sagte Lindner im Anschluss an die Sitzungen. Die Liberalen benötigten in der gegenwärtigen Corona-Krise ein stärkeres wirtschaftspolitisches Profil, sagte der Parteichef weiter. Auch die prekäre Lage seiner Partei nannte er – sie droht 2021 erneut aus dem Bundestag zu fliegen. Die Partei brauche „mehr Hilfe und Unterstützung“.

Diese soll nun Volker Wissing liefern. Der 50-Jährige ist seit 2016 Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident der in Mainz regierenden Ampelkoalition. Zuvor war er lange Jahre Finanzexperte der FDP im Bundestag. „Ich will meinen Beitrag leisten, dass wir 2021 Regierungsverantwortung übernehmen“, erklärte Wissing bei seiner Vorstellung. Lindner nannte ihn einen „erfolgreichen Wahlkämpfer“, den die FDP für den anstehenden Wahlkampf brauche.

Teuteberg war erst auf dem Bundesparteitag im April 2019 zur Generalsekretärin gewählt worden. Doch die gebürtige Brandenburgerin und Bundestagsabgeordnete blieb in diesem Amt ziemlich blass, manche hielten ihr vor, zu wenig angriffslustig zu sein. Dass sie ihre Statements häufig lächelnd vortrug, machte es nicht leichter. Andererseits haben es auch andere Liberale aus dem Parteivorstand schwer, durchzudringen – dass Lindner seine Partei stark auf sich zugeschnitten hat, machte sich da einmal mehr bemerkbar.

Lindner will so seinen Kopf retten

Teuteberg selbst hatte bis zuletzt betont, ihre volle Amtszeit bis Mai 2021 ausfüllen zu wollen. Doch in den Gremiensitzungen beugte sie sich Lindners Ankündigung nun. Sie war bei der Pressekonferenz nicht dabei, ließ nur eine nüchtern gehaltene Erklärung rum schicken: „Ich nehme zur Kenntnis, dass der Vorsitzende sich nun erklärt hat, mit mir in der Position als Generalsekretärin der FDP nicht zusammenarbeiten zu wollen und heute einen neuen Generalsekretär vorzuschlagen. Diesen Wunsch respektiere ich.“ Bis zum Parteitag will sie ihr Amt aber behalten.

Viele Beobachter deuten Lindners Entscheidung als Versuch, seinen eigenen Kopf als Parteichef zu retten. Seit langem steckt die Partei im Umfragetief, irrlichtert an der Fünf-Prozent-Hürde. Der Absturz wird vor allem Linder angelastet. Seine Liste an politischen Fehltritten ist lang, von dem Nein zu den Jamaika-Verhandlungen 2017 bis zu seinem ungeschickten Agieren, als in Thüringen ein Liberaler sich von der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ.

Zudem wirft der Rausschmiss von Linda Teuteberg ein Schlaglicht darauf, dass die FDP nach wie vor eine stark männerdominierte Partei ist. Es sind vor allem Männer, die das Gesicht der Partei abbilden. So gehören dem 15-köpfigen Parteipräsidium aktuell nur drei Frauen an. Am Grundproblem ändert sich wenig, auch wenn nun die Finanzpolitikerin Bettina Stark-Watzinger ins Präsidium aufrücken soll. Als Nachfolger des scheidenden Schatzmeisters Hermann Otto Solms will Lindner mit dem Unternehmer Harald Christ ebenfalls einen Mann vorschlagen.

Kritik an der Entscheidung kam bereits vor der offiziellen Ankündigung. So beklagte die Vorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder, im ARD-Morgenmagazin: „Ich finde diese ganze Posse, die tut uns als Partei überhaupt nicht gut.“ Die Wähler hätten keine Lust darauf, eine Partei zu wählen, die sich ständig streitet. „Es ist an der Zeit, jetzt wirklich den Turbo anzuschmeißen, weil wir haben in gut einem Jahr eine Bundestagswahl“, sagte die JuLi-Vorsitzende weiter.

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