Licht aus in Ungarns Hauptstadt: Donau-Niedrigwasser zwingt Budapest zum Energiesparen
Wegen des Rekord-Tiefstands der Donau musste Ungarn ein Atomkraftwerk abschalten. In Budapest werden deshalb die Wahrzeichen der Stadt nicht mehr beleuchtet.
dpa/rtr | Budapest liegt im Dunkeln: Um in der Energiekrise Strom zu sparen, hat Ungarn die Beleuchtung für seine Wahrzeichen wie das neugotische Parlamentsgebäude, die Budaer Burg und die berühmte Kettenbrücke abgeschaltet. Die anhaltende Hitzewelle und der historisch niedrige Wasserstand der Donau zwingen das Land zu diesem Schritt. Der Grund: Das einzige Atomkraftwerk des Landes ist für die Kühlung auf den Fluss angewiesen. Wegen des Wassermangels musste es am Wochenende abgeschaltet werden – erstmals seit Jahrzehnten. Ausbleibende Regenfälle und die Hitze haben ähnlich wie am Rhein auch an der Donau für Rekordtiefstände gesorgt. Die Temperaturen kletterten am Donnerstag in Ungarn auf mehr als 40 Grad.
Während Touristen enttäuscht auf die Sparmaßnahmen reagieren, zeigen viele Einheimische Verständnis für die Entscheidung. „Ich bin sehr enttäuscht, denn man kommt vielleicht einmal im Leben nach Budapest“, sagte die deutsche Touristin Silke Schneiders. „Ich bin gestern auf den Hügel gestiegen und habe gewartet, dass das Gebäude beleuchtet wird. Aber es passierte einfach nicht.“ Andere Besucher sehen es gelassener. „Klar ist das Mist, aber ich kann wertschätzen, was ich hier habe. Also keine große Sache“, meinte der Tourist Benjamin Thomas Tucker.
Gute Zeit für Eintagsfliegen
Das Problem ist nicht auf Ungarn beschränkt. Auch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest wurde die Straßenbeleuchtung gedimmt und die Beleuchtung von Wahrzeichen gestoppt. „Es scheint, wir sind wegen schlechter Entscheidungen an diesem Punkt angelangt, angesichts der Klimakrise, die wir seit Jahrzehnten erleben“, sagte der 25-jährige Mircea in Bukarest.
Doch während die Menschen im Dunkeln tappen, gibt es einen überraschenden Gewinner der Sparmaßnahmen: die Eintagsfliege. Die Insekten, die nach dem Schlüpfen nur wenige Stunden leben, schwärmen derzeit zu Hunderttausenden über der Donau. „Die Lichtverschmutzung ist für Eintagsfliegen gefährlich, da sie von den Lampen am Flussufer angezogen werden“, erklärte György Kriska, Professor an der Eötvös-Lorand-Universität (ELTE) in Budapest. „Das Abschalten der Lichter ist der beste Weg, sie zu schützen.“ Die Lichter der Stadt und die Schatten der Brücken irritieren die Tiere sonst bei ihrem Paarungsflug. Die Folge: Statt ihre Eier über dem Wasser abzulegen, stürzen sie am Ufer ab.
Donau-Niedrigwasser legt in Ungarn die Flusskreuzer lahm
Der durch Hitze und Trockenheit bedingte Rekordtiefstand der Donau hat den Verkehr der Flusskreuzfahrtschiffe auf dem Budapester Abschnitt des Stromes zum Erliegen gebracht. „Kein Schiff kommt weiter als bis nach Komárom“, sagte Lilla Lassu, Vizepräsidentin des Ungarischen Verbands der Incoming-Unternehmen, dem ungarischen Fernsehsender RTL Klub. Komárom ist ein Donauhafen, der rund 120 Kilometer flussaufwärts von Budapest liegt.
Die Passagiere würden dort in Busse umsteigen, die sie zu ihren Besichtigungsprogrammen oder zum Flughafen der ungarischen Hauptstadt bringen, fügte die Fremdenverkehrsfunktionärin hinzu. Nach Darstellung des ungarischen Verkehrsministeriums liegen derzeit sieben internationale Hotelschiffe im Donauhafen Komárom.
Der Pegelstand der Donau betrug am Donnerstagmorgen in Budapest nach Angaben der Landeswasserdirektion gerade mal 23 Zentimeter. Den Rekordtiefstand hatten die Messstellen in Budapest am letzten Sonntagabend mit 9 Zentimetern verzeichnet.
Für Hotelschiffe heißt es warten
Auch an den Budapester Anlegestellen sind Flusskreuzfahrtschiffe zu sehen. Sie hatten die ungarische Hauptstadt noch vor dem dramatischen Absinken des Pegelstands erreicht und sind nun zum Warten verurteilt. In den nächsten Tagen sei zwar mit Niederschlägen zu rechnen, sagte eine Sprecherin der Landeswasserdirektion zu RTL Klub, doch diese würden voraussichtlich nicht ausreichen, um die Budapester Donau für die Flusskreuzer wieder passierbar zu machen.
Ein Felsen wächst sich zur Insel aus
Der niedrige Wasserstand legt derzeit die Pfeiler der Donaubrücken frei und führt im Flussbett zur Entstehung von Inseln. Zu einer besonderen Attraktion wurde der sogenannte Hungerfelsen (ungarisch: Ínség-szikla). Die Steinansammlung nahe der Freiheitsbrücke ragt bei niedrigen Pegelständen immer wieder aus dem Strom hervor. In diesen Tagen hat sie sich zu einer veritablen Insel ausgewachsen. Einheimische und Touristen steigen darauf herum.
Den Namen erhielt das Phänomen in früheren Jahrhunderten, als am Budapester Donauufer Mühlen das Mehl für das Brot der Stadt mahlten. Das Auftauchen des Hungerfelsens signalisierte den Budapestern, dass der Wasserstand für den Betrieb der Mühlen nicht mehr ausreichte. Kein Mehl fürs Brot bedeutete wiederum Hunger und Not.
Auch dem Plattensee fehlt das Wasser
Die Trockenheit beeinträchtigt auch den Plattensee (ungarisch: Balaton), den größten Binnensees Mitteleuropas. Fotos in den Medien zeigen Segelschiffe und Jachten, die am Ufer feststecken und wegen des niedrigen Wasserstandes nicht ausfahren können. Auch dieses Gewässer verzeichnet derzeit Rekordtiefstände.
Selbst in normalen Zeiten ist der See durchschnittlich nur 3,2 Meter tief. Derzeit seien es gerade mal 54 Zentimeter, schrieb das Nachrichtenportal „444.hu“. Badende, die 50 Meter in den See hinauslaufen, würden immer noch in nur knöcheltiefem Wasser stehen. Selbst Tretboote würden unbenutzbar im Uferschlamm liegen.
Im serbischen Banat brennt die Vegetation auf 300 Hektar
In Serbien wütet im Banater Dünenland östlich der Hauptstadt Belgrad ein Vegetationsbrand. Die Flammen zerstörten bereits eine Fläche von 300 Hektar, berichteten serbische Medien unter Berufung auf das Innenministerium. Zur Brandbekämpfung seien 80 Einsatzkräfte und 3 Helikopter des Innenministeriums aufgeboten worden. Deren Arbeit würden nicht nur Trockenheit und Hitze erschweren, sondern auch Winde, die das Feuer immer wieder weitertragen.
Das Banater Dünenland, auch „Banater Sandwüste“ genannt (serbisch: Deliblatska Peščara), ist ein rund 300 Quadratkilometer großes Dünen- und Waldgebiet in der serbischen Nordprovinz Vojvodina, das sich nördlich der Donau erstreckt. Es besteht aus Wäldern, Grasland und offenen Sandflächen und gilt als das größte zusammenhängende Sandgebiet in Europa. Es steht unter Naturschutz und beherbergt rund 900 Pflanzenarten. Wegen seines außergewöhnlichen Vogelbestands zählt es außerdem zu den bedeutendsten Vogelschutzgebieten Europas.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert