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„Kunst im Knast“ meets FetischfestivalAuch Volkspolizisten können sexy sein

Die Ausstellung „Unbound – Männlichkeit“ im ehemaligen Frauengefängnis in Lichterfelde findet passend zum queeren Fetischfestival Folsom statt.

Zum 23. Mal trafen sich in Berlin Tausende queere Fetischfans aus ganz Europa und machten von Mittwoch bis Sonntag aus dem Nollendorfkiez einen riesigen öffentlichen Laufsteg für Leder, Latex und Lycra. Rund um die Fuggerstraße fand Folsom Europe mit Partys und Events sowie einem Straßenfest mit Bühnen und Ständen statt.

Seit 1984, mitten in der Aids-Pandemie, gibt es in San Francisco in der Folsom Street ein Straßenfest als Zeichen der Sichtbarkeit der Leder- und Fetischszene. Seit 2003 gibt es den europäischen Ableger – gilt Berlin doch als die Kinky-Hauptstadt des Kontinents.

taz Talk zur Abgeordnetenhauswahl

Enteignung als Lösung – oder das Ende von Rot-Rot-Grün?

Di., 15.09.2026, 19:00 Uhr, taz Kantine: Anmeldung

Die Mietenkrise bestimmt den Wahlkampf, doch die Vergesellschaftungsfrage spaltet die Parteien. Knapp eine Woche vor der Berlin-Wahl am 20. September gehen wir den Fragen nach: Wie können sich SPD, Linke und Grüne doch zusammenraufen, ohne den demokratischen Auftrag der Ber­li­ne­r:in­nen zu ignorieren? Führt die Enteignungsfrage Berlin in eine politische Sackgasse, von der am Ende nur die Konservativen profitieren? Und was bringt eine Enteignung eigentlich?

Im Gespräch:

Sebastian Schlüsselburg ist Mitglied des Abgeordnetenhauses, ehemals für die Linke, seit 2025 für die SPD.

Katrin Schmidberger ist Mitglied des Abgeordnetenhauses und Sprecherin für Mietenpolitik für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Rouzbeh Taheri ist Neuköllner Direktkandidat der Linken für das Abgeordnetenhaus. Er war Mitgründer und Sprecher der Initiative Deutsche Wohnen & Co Enteignen.

Eintritt frei. Platzreservierung erforderlich

Die Teilnahme in der taz Kantine (Friedrichstraße 21) ist nur mit einem im Voraus gebuchten Ticket möglich. Wir bitten Sie daher um eine Anmeldung. Die Plätze sind begrenzt, der Eintritt ist kostenlos. Der Zugang zur Veranstaltung ist barrierefrei. Zusätzlich wird die Veranstaltung im Livestream übertragen.

Zu einem Fetischfestival gehören Ausstellungen. Eine besondere ist in Lichterfelde im ehemaligen Frauengefängnis zu sehen. „Unbound – Männlichkeit“ lautet der schlichte Titel der vom queeren Künstlerverein prideART Berlin kuratierten Verkaufsausstellung, die in den früheren Zellen auf drei Etagen rund 150 Kunstwerke aus aller Welt in einer beeindruckenden Bandbreite präsentiert.

Zu sehen ist Kunst, die den meist nackten oder sexy verpackten männlichen Körper feiert, ja zum Fetisch überhöht. Wie beim Folsom in Echt. Peter Churcher zum Beispiel ist mit sechs Ölbildern dabei, der Australier zaubert betörende Studien zu männlichen Körpern auf die Leinwand.

Viel nackte Haut – und auch Kuschliges

Mit Acryl malt Lars Deike aus Berlin. Seine Serie „Gold Junge“ zeigt junge Männer in alltäglichen Posen – und auch das ist erotisch konnotiert, obwohl sie alle ihre Hosen anhaben und höchstens oben ohne sind. Klar gibt es viel nackte Haut zu sehen, Fickszenen und erigierte Penisse: Wie für eine Ahnengalerie hat Matteo Della Libera sechs verschiedene steife Schwänze in Öl auf Papier gemalt – so nach dem Motto: Die hatte ich alle! Gleich daneben gibt es Innovatives von Daniel Leo Stern, der seinen eigenen Körper zeigt, von vorn, von hinten. Der Clou: Wie bei einem Wandteppich hat der Künstler mit Wolle gearbeitet.

Natürlich gibt es auch Herzwärmendes: Bei Giacomo Agnello Modica umarmen sich in seinen digitalen Illustrationen, die wie Bleistiftzeichnungen wirken, zwei Liebende innig oder kuscheln in Löffelstellung.

Und in Zelle 76/77 – die alten Zellennummern stehen nach der denkmalgerechten Sanierung wie früher an der Wand neben der Tür – lässt sich eine Entdeckung machen. Dort sind zum Teil noch nie öffentlich gezeigte Werke von Jürgen Wittdorf zu sehen.

Der schwule Ost-Berliner, Jahrgang 1932, lebte in Friedrichshain. In seinen letzten Lebensjahren war er weithin unbekannt, doch Wittdorf erlebt posthum ein Revival. Daran arbeitet Boris Kollek, der einen großen Teil des künstlerischen Nachlasses Wittdorfs, bei einer Auktion erwerben konnte. Kollek, der Wittdorfs Kunst seit 15 Jahren sammelt, arbeitet das rund 800 Blätter umfassende Œuvre auf. Als Hobby. Seine Leihgaben stehen nicht zu Verkauf.

Sind Volkspolizisten sexy?

Im ehemaligen Frauenknast sind nun Arbeiten zu sehen, in denen Wittdorf DDR-Grenzsoldaten, Volkspolizisten, Bauarbeiter, aber auch einen Lederkerl, Sportler, junge Männer eben – mal in Badehose, mal nackt – zeigen. Klar, Uniformen können ein Fetisch sein. Auch Volkspolizisten können sexy sein.

Wittdorfs Männlichkeitsverständnis wird mit dem Bild eines Zuchtbullen als Archetyp, der für Potenz und Stärke steht, auf die Spitze getrieben. Das ist männliche Kunst, schwule Kunst – mit dem Begriff queer hätte Wittdorf sicher seine Probleme gehabt.

Dass seine Kohlezeichnung eines Mitarbeiters des Ministeriums für Staatssicherheit, der wohl etwas zu Protokoll nimmt, nun in einer Gefängniszelle hängt, hätte ihm sicher gefallen. Heute lässt sich nur mutmaßen: Der Künstler muss so eine Vorhörszene selbst erlebt haben. Und konnte dem Ganzen, vielleicht wegen der Liebe zu Uniformen, eine lustvolle Komponente abgewinnen? Unter dem Bild hat jemand, wer weiß, wann, auf die leicht ramponierte ockerfarben gestrichene Wand ein passendes Wort geschrieben: „Grenzen existieren nur im Kopf!“

Die Ausstellung ist am 19./20. September von 15 bis 20 Uhr geöffnet, Eintritt frei, Zutritt ab 18 Jahre, prideART Berlin e. V., Söhtstraße 7, Berlin-Lichterfelde

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