Kürzere Geburten: Alles eine Frage des Timings!
Die innere Uhr lenkt viele Prozesse in unserem Körper. Eine neue Studie zeigt nun: Sie scheint auch die Geburt zu beeinflussen.
Unsere innere Uhr beeinflusst nicht nur den Idealzeitpunkt zum Einschlafen und Aufwachen, zum Lernen und Klausurenschreiben. Die Chronobiologie wird auch in der medizinischen Forschung immer relevanter. Ob für Medikamentenwirksamkeit etwa bei Krebstherapien oder Demenzfürsorge.
Denn unser Körper arbeitet nicht immer gleich, das Herzkreislaufsystem, die Hormone im Blut, die Aktivität der Organe, unsere Schmerzempfindlichkeit verändern sich im Lauf des Tages – abhängig von der inneren Uhr. Jetzt hat man ihre Bedeutung für ein ganz neues Thema entdeckt: Geburten.
Die Studie
Untersucht wurden über mehrere Jahre Daten von 3.363 Gebärenden, die nach einer Geburtseinleitung im selben Krankenhaus ein Kind zur Welt brachten. Dabei schauten die Forschenden aus den USA vor allem auf den Zeitpunkt, an dem die Schwangeren den Wirkstoff zur Einleitung erhielten – ein synthetisches Hormon namens Oxytocin. So erkannten sie einen starken Zusammenhang zwischen dem Einleitungszeitpunkt und der Dauer der Geburt.
Die in der Fachzeitschrift American Journal of Obstetrics & Gynecology Maternal-Fetal Medicine veröffentlichte Studie zeigte, dass Gebärende, die das Mittel zwischen 3 und 6 Uhr morgens erhielten, deutlich kürzer in den Wehen lagen.
Danach stieg die Wehendauer kontinuierlich an und erreichte ihren Höhepunkt, wenn das Mittel erst in den späten Abendstunden, kurz vor Mitternacht gegeben wurde. Gebärende, die es dann bekamen, lagen bis zu 6 Stunden länger in den Wehen. Das galt vor allem für Personen, die ihre erste Geburt hatten. Auch zum Kaiserschnitt kam es häufiger bei Geburtseinleitung nach 9 Uhr. Auf das medizinische Wohl der Neugeborenen hatte der Einleitungszeitpunkt aber keinen Einfluss.
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Was bringt’s?
In dem Ergebnis steckt die Chance, die Zeit der Geburt mit einfachen Mitteln zu verkürzen. Wer schon einmal sechs Stunden in den Wehen lag, kann mit Sicherheit bestätigen, dass eine kürzere Wehenzeit angenehmer gewesen wäre. Darüber hinaus verdeutlicht die Studie, dass Geburten Teamwork sind. Nicht nur zwischen allen Beteiligten im Kreißsaal, sondern auch zwischen körperlichen und medizinischen Abläufen.
Wo es im Krankenhaus meist darum geht, etwas zu richten, was im Körper falsch läuft, macht der Körper bei Geburten im Idealfall schon einiges richtig. Das heißt, seit die moderne Medizin das Thema Entbindung für sich entdeckt hat und mit Tropf und Skalpell täglich Leben rettet, müssen Ärzt*innen auch aufpassen, dabei keinen Teil des ausgeklügelten biologischen Werks zu übergehen.
Ob das nun bedeutet, der Nabelschnur vor dem Schnitt Zeit für die Nährstoffversorgung zu geben oder dem Baby vor dem Check-up Zeit zum Nuckeln. Jetzt wissen wir, dass auch die innere Uhr der Gebärenden ihre Zeit braucht – und als Nächstes können wir herausfinden, wozu genau.
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