Krieg in Nahost: Entführt aus dem Chalet
Die israelische Armee hat im Libanon bisher 2.968 Menschen getötet und mindestens eine Million vertrieben. Auch in Nordgaza gehen die Angriffe weiter.
Foto: Mohamed Abd El Ghany/reuters
Im libanesischen Dorf Khiam hatten Rettungshelfer am Sonntagmorgen noch Hoffnung: 21 Menschen waren unter Trümmern verschüttet, darunter Frauen und Kinder. Seit Montag hatte das Rote Kreuz versucht, die dort zerstörten Häuser zu erreichen. Doch israelisches Artilleriefeuer und Luftangriffe hatten laut lokalen Medien die Rettungsaktion verhindert. Am Sonntag schaffte das Rote Kreuz es endlich in das Grenzdorf im Südlibanon. Doch sie fanden nur noch Leichen. Fünf Tote wurden geborgen, der Tod der 21 Feldarbeiter bestätigt.
Durch israelische Angriffe wurden im Libanon bisher 2.968 Menschen getötet und mindestens eine Million vertrieben. Neun Dörfer im Süden und Osten haben „keinen Tropfen Wasser“ mehr, so das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef. Mindestens 29 Wasseranlagen, die sonst mehr als 360.000 Menschen versorgen, seien beschädigt. Reparaturteams fürchten, selbst zum Ziel von israelischen Angriffen zu werden.
In der nördlichen Küstenstadt Batroun kam in der Nacht auf Samstag eine israelische Kommandoeinheit der Marine über das Meer und nahm einen Mann aus einem Chalet am Meer gefangen. Libanesische Beamte identifizierten ihn als Imad Amhaz. Er wurde von den bewaffneten Soldaten aus dem Gebäude geholt und mit Schnellbooten entführt, so libanesische Medien.
Amhaz wird von der israelischen Armee als „Hisbollah-Agent“ bezeichnet. Die Hisbollah hat das nicht bestätigt. Der libanesische Ministerpräsident Najib Mikati verurteilte die Entführung und kündigte an, bei den Vereinten Nationen Beschwerde einzureichen.
Angriff auf das Spital Sheikh Radwan in Nordgaza
Auch in Gaza gehen die Angriffe des israelischen Militärs weiter. Von einem „tödlichen Wochenende voller Angriffe in Nordgaza“, sprach Unicef-Direktorin Catherine Russell am Samstag. „Allein in den letzten 48 Stunden wurden Berichten zufolge über 50 Kinder in Jabalia getötet, wo Angriffe zwei Wohnhäuser dem Erdboden gleichmachten, in denen Hunderte von Menschen untergebracht waren.“
Während einer Polio-Impfaktion in Nordgaza, in der Klinik Sheikh Radwan, traf ein israelischer Angriff am Samstag das Impfzentrum. Laut UN-Angaben wurden mindestens sechs Menschen verletzt, vier davon Kinder. Die Klinik sei getroffen worden, „als Eltern ihre Kinder zur lebensrettenden Polio-Impfung brachten, in einem Gebiet, in dem eine humanitäre Pause vereinbart worden war“, sagte der Leiter der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus am Sonntag. Der Angriff sei ein weiteres Beispiel für die wahllosen Angriffe auf Zivilist*innen.
In Gaza droht der Bevölkerung durch die israelische Kriegsführung weiter der Tod durch Hunger, Dehydrierung, Infektionskrankheiten, Wasserverschmutzung, Bomben und Folter. Fünfzehn humanitäre Organisationen, darunter UN-Hilfswerke, fordern Israel auf, die Angriffe auf Gaza und Helfer*innen einzustellen. „Krankenhäuser sind fast vollständig von der Versorgung abgeschnitten und weiteren Angriffen ausgesetzt“, schrieben die Organisationen am Freitag.
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