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Kreuzberger Rap-Trio RAPK über Proteste„Protest und Kultur sollten sich niemals ausschließen“

Nach Kritik an ihrem 1.-Mai-Auftritt zeigt sich RAPK selbstkritisch. Ein Interview über Fehler, Konsequenzen und die Rolle von Musik im Protest.

Ausgelassene Stimmung auf der Partymeile: die Oranienstraße am 1. Mai Foto: Piotr Pietrus
Lilly Schröder

Interview von

Lilly Schröder

RAPK ist ein Rap-Trio, bestehend aus den Kreuzbergern Victor, Tariq und Gustav. Angefangen haben die Endzwanziger als Jugendliche in Jugendzentren am Halleschen und Schlesischen Tor – heute spielen sie in der ausverkauften Columbiahalle. Ihre Texte verbinden Kreuzberger Alltag mit Systemkritik: Neben Kiffen auf der Parkbank erzählen ihre Lieder von Verelendung durch Drogen, Racial Profiling im Görli, der Polizeiwache am Kotti und Gentrifizierung. Seit dem Ende des Myfests veranstaltet RAPK traditionell ein Soli-Konzert für den Kiez. Im Interview sprechen sie als Kollektiv über ihren Auftritt am 1. Mai, der in diesem Jahr auf der Demoroute, der Revolutionären-1.-Mai-Demo lag.

taz: Was ist eure Bilanz vom 1. Mai und der Revolutionären-1.-Mai-Demo?

RAPK: Der 1. Mai war wie jedes Jahr sehr intensiv. Dass es unter anderem auch durch unser Konzert zu einer Verzögerung der Demo kam, sehen wir sehr kritisch und ziehen daraus Konsequenzen für die Zukunft.

taz: In den sozialen Medien wurden Vorwürfe laut, dass die Linkspartei, Ikkimel und ihr zur Eventisierung des Kampftags beitragt, nachdem der Demoaufzug aufgrund eurer Konzerte stundenlang nicht durchgekommen ist. Könnt ihr die Kritik nachvollziehen?

RAPK: Dass die Demo ungehindert laufen kann, war immer unsere oberste Priorität. Wir bedauern sehr, dass es zu der Verzögerung kam, und möchten uns dafür entschuldigen, dass unser Konzert dazu beigetragen hat. Wir haben nicht richtig kalkuliert und werden künftig wieder besser darauf achten, unser Konzert räumlich von der Demo zu trennen.

taz: Welche Rolle spielt eure Musik im politischen Protest am 1. Mai?

Protestieren geht auch mit der Bratpfanne: auf der Oranienstraße am 1. Mai Foto: Piotr Pietrus
Es ging nicht nur um Fun: am 1. Mai auf der Oranienstraße Foto: Piotr Pietrus

RAPK: Unsere Musik soll Proteste unterstützen, Menschen verbinden und politische Inhalte zugänglich machen, nicht im Weg stehen. Sie ist Teil derselben Bewegung, nicht ein Ersatz für sie.

taz: Müssen sich Protest und Kultur ausschließen?

RAPK: Nein, sie sollten sich niemals ausschließen, sondern im besten Fall gegenseitig beflügeln.

taz: Wie könnte ein Gleichgewicht aussehen?

RAPK: Musik war immer Teil von Protest und Protest immer ein elementarer Bestandteil unserer Musik und Sozialierung als Kreuzberger. Wir haben durch Ansagen über die Lautsprecher vor Ort und Posts auf unserem Instagram-Account versucht, den Weg für die Demo frei zu machen.

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