piwik no script img

Kontakt zum russischen GeheimdienstFSB-Minijobber bei CDU-Abgeordnetem

Ein Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Christian Hirte hatte Kontakt zum russischen Geheimdienst FSB. Er sollte Kontakt zu Oppositionellen knüpfen.

David Muschenich

Aus Leipzig

David Muschenich

Der Bundestagsabgeordnete Christian Hirte (CDU) hat in seinem Berliner Büro einen Mann beschäftigt, der mit dem russischen Geheimdienst FSB zusammengearbeitet haben soll. Wie die FAZ am Mittwoch zuerst berichtete, hatte der 1984 geborene Russe einen Mini-Job im Paul-Löbe-Haus, dem Funktionsgebäude wenige Meter neben dem Bundestag, und einen Hausausweis. Demnach stellte er dort für den CDU-Politiker Hirte Kontakt zu russischen Oppositionellen her.

Hirte hat den Fall mittlerweile gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigt. Er ist seit 2008 Mitglied des Deutschen Bundestages, arbeitete von 2018 bis 2020 als Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und war danach zwei Jahre lang Vorsitzender der CDU Thüringen. Den Mann mit FSB-Kontakt habe er den Berichten nach 2023 eingestellt und eine Überprüfung bei einer deutschen Sicherheitsbehörde beauftragt.

Der Mitarbeiter habe ab 2020 für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in Moskau gearbeitet. Nach dem Großangriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 habe er das Land verlassen, auf Social Media Fotos mit der Ukraine-Flagge gepostet und sich bei Hirte gemeldet. Dieser habe ihn für einen gut vernetzten Oppositionellen gehalten. Seinen Job, Kontakt zu Oppositionellen zu knüpfen, habe er auch gut erledigt.

„Gelinde gesagt unangenehm“

Nach der Prüfung durch die Sicherheitsbehörde sei der Verdacht aufgekommen, dass der Mitarbeiter mit dem FSB im Kontakt stehe – etwas später habe er sich erhärtet. Hirte sei allerdings gebeten worden, den Mitarbeiter nicht sofort zu feuern. Dem sei der Abgeordnete nachgekommen. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 sei ihm empfohlen worden, das Beschäftigungsverhältnis unauffällig zu beenden. Auch das habe Hirte getan.

Der dpa sagte Hirte, es sei „gelinde gesagt unangenehm“, den Eindruck zu bekommen, möglicherweise im Visier des FSB zu sein. „Ich habe versucht, damit professionell umzugehen.“ Zum Büro habe der Mitarbeiter keinen Schlüssel und zu internen Daten oder zu denen des Bundestags keinen Zugang gehabt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

8 Kommentare

 / 
  • Filou

    Hirte hat sich wohl Nichts zu Schulden kommen lassen, er hat alles richtig gemacht. Dass politische Gegner versuchen die Angelgenheit gegen Hirte auszuschlachten ist erwartbar aber schäbig.

  • Bolzkopf

    Naja, da kann man Herrn Hirte wohl kaum einen Vorwurf machen.



    Es hat den Mann überprüfen lassen und entsprechend reagiert.

  • Aurego

    Es gab früher Politiker, die nach einem solchem Vorfall von ihrem Amt zurückgetreten wären. Wäre interessant zu erfahren, zu welcher Art von Oppositionellen er durch diesen Typ Kontakt aufnehmen konnte und was dabei herausgekommen ist.

    • LeKikerikrit

      @Aurego:

      Sie spielen auf Willy Brandt an? Das war eine ganz andere Nummer. Und hier hat der Geheimdienst total versagt. Um einen ungeliebten Linken aus dem Kanzleramt zu schießen?



      Herr Hirte hat, so wie es aussieht, alles richtig gemacht.

    • travellingpete

      @Aurego:

      Wieso zurücktreten? Sicherheitsüberprüfung beauftragt, an keine sensiblen Daten rangelassen, nach negativem Bescheid noch ein wenig zappeln lassen. Wenn die Entlassung unauffällig genug war und es nicht hier in der Zeitung stünde, wüsste der FSB vielleicht nicht mal, dass der Mann verbrannt ist.



      Ist ja nicht so, dass er jahrelang Einsicht in alle Unterlagen im Kanzleramt gehabt hätte.

      • Aurego

        @travellingpete:

        Welche Einsicht in welche Unterlagen und Strukturen er hatte, wissen wir nur aus Erzählungen. Das kann stimmen oder auch nicht.

        • travellingpete

          @Aurego:

          Vielleicht bin ich ja diese Person und weiss es ganz genau.



          Das kann stimmen oder auch nicht.

  • Axel Schäfer

    Dann hat sich Herr Hirte ja grundsätzlich richtig verhalten. Was ist jetzt mit dem Russen passiert? Haben ihn unsere Dienste abgeschöpft oder in die Mangel genommen?



    Irgendwie hört sich das nicht so an, als nähme man das irgendwie ernst. Bei russischer Geheimdiensttätigkeit muss man nicht gleich hysterisch werden, aber routinierte Härte wäre schon gut.