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Kompromisslose KämpferinParalympics-Siegerin Kirsten Bruhn wird Ehrenbürgerin

Kirsten Bruhn will nichts weniger als einen Fokuswechsel: zu dem, was die Menschen können, und weg von dem, was sie nicht können.

Vielfache Olympiamedaillen-Gewinnerin: Kirsten Bruhn Foto: Ulrich Perrey/dpa

Es liegt eine eigenartige Mischung aus Zähigkeit und Verletzlichkeit am Beginn der Schwimmlaufbahn von Kirsten Bruhn. Rückblickend beschrieb sie das bei einer Preisverleihung: als jüngstes von fünf Kindern sei sie immer die schwächste und kleinste gewesen sei. Um so ehrgeiziger habe sie als Tochter zweier Leis­tungs­schwim­me­r:in­nen trainiert.

Ihr Vater, Polizist, hat sie bereits als Dreijährige ins Wasser geworfen: „Schwimm oder du hast ein Problem“, habe er gerufen und sie habe sich fürs Schwimmen entschieden.

Kirsten Bruhn, gebürtige Eutinerin, inzwischen 53 Jahre alt, sagt nebenbei, dass die Polizei damals für sie Freund und Helfer gewesen sei und dass sich das über die Jahre geändert habe. Sie hat keine Angst vor deutlichen Worten und das ist wohl einer der Gründe, weshalb sie – als zweite Frau – nun Ehrenbürgerin des Landes Schleswig-Holstein geworden ist.

Sie ist nach einem Motorradunfall eine der ausdauerndsten und entschiedensten Stimmen für Sichtbarkeit, Förderung und Anerkennung für den Behindertensport. 1991 verunglückte sie im Urlaub als Beifahrerin auf dem Motorrad ihres damaligen Freundes.

Sechs Stunden schwimmen täglich

Es hatte eine leichte Zeit werden sollen, vor dem Grafikdesignstudium und nach einer Herztransplantation für ihren Bruder. Stattdessen nahm der Unfall ihr die alte Leichtigkeit und Spontanität und katapultierte sie in ein neues Leben.

Aber es scheint typisch für Bruhn, dass sie sehr schnell beginnt, diesen Umbruch zu gestalten. In der Kur fährt sie, mäßig begeistert von den Bastelangeboten, stattdessen zum Schwimmen und merkt, wie viel ihr der Sport wieder gibt. Bruhn ist zäh, das ist das, was alle über sie sagen, die in dem Film zu Wort kommen, den Schleswig-Holstein ihr zu Ehren veröffentlicht hat.

Als Jugendliche ist sie täglich sechs Stunden geschwommen – nicht weil die Eltern es wollten, sondern weil sie es wollte. „Mit Freunden zu spielen, hat mich nicht interessiert“, sagt sie. Die Familie ist auch nach dem Unfall an ihrer Seite, der Vater trainiert sie. Kirsten Bruhn gewinnt zweimal Gold, dreimal Silber und viermal Bronze bei den Paralympischen Spielen.

Sie arbeitet bei einer Krankenkasse und die Freundin, die sie dort kennenlernt, erinnert sich an eine der ersten Begegnungen: Sie wollte Bruhns Rollstuhl auf sandiger Strecke unaufgefordert schieben und erntete ein Donnerwetter.

Die Wahrnehmung für Menschen mit Behinderung ist nicht schön. Das ist diskriminierend. Und das tut weh.

Kirsten Bruhn

Es gibt viele anrührende Stellen in dem Video des Landes Schleswig-Holstein: Das Team ihres alten Schwimmbads in Neumünster kennt die ganze Familie und erzählt, wie nahbar die Sportikone Bruhn sei. Der Geschäftsführer Leistungssport beim Landessportverein sagt, dass Bruhn „wenig kompromissbereit ist, wenn man es mal vorsichtig ausdrückt“ – und dass ihnen das guttue.

Es bleibt vor allem ein Moment und man ist dankbar, dass Bruhn ihn im Film hat stehen lassen: „Die Wahrnehmung für Menschen mit Behinderung ist nicht schön. Das ist diskriminierend. Und das tut weh“, sagt sie und beginnt zu weinen. Aber sie fängt sich wieder. Und schaut nach vorn. „Das ist etwas, was ich aus der Welt kriegen möchte. Der Fokus auf das, was die Menschen können, da sollten wir hinkommen. Und nicht auf das, was sie nicht können.“

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