Kommentar: Bauboom und Brandstifter
Wenn die griechischen Waldbrände gelöscht sind, müssen Politik und Gesellschaft dringend die Ursachen bekämpfen. Neues Bauland durch Brandrodung - das darf nicht funktionieren.
Man muss nicht zu Verschwörungstheorien neigen, um angesichts des Infernos auf dem Peloponnes und in Attika sofort an Brandstiftung zu denken. Doch wenn Griechenlands Ministerpräsident Karamanlis jetzt allein kriminellen Feuerteufeln die Schuld gibt, macht er es sich zu leicht.
Zum einen will er vom Versagen seiner Regierung bei der Brandvorsorge ablenken. Zum andern weicht er der Frage aus, warum von staatlicher Seite so wenig geschehen ist, um die Brandrodung zwecks Baulandgewinnung einzudämmen. Denn wenn Spekulanten noch immer darauf hoffen können, dass abgebrannte Flächen früher oder später zu Bauplätzen werden, liegt dies vor allem an staatlichen und kommunalen Behörden in Griechenland.
Von all den Waldflächen, die zwischen 1995 und 2005 im Großraum Attika in Flammen aufgingen, wurden bislang nur die Hälfte wieder aufgeforstet. Der Rest dürfte sich schleichend, unter Mithilfe korrupter Beamter, in Bauland für Stadtrandvillen oder Wochenendhäuser verwandeln. Der staatliche Stromversorger DEI legt den Bauherren sogar anstandslos einen Anschluss. Am Ende werden solche Anwesen in früheren Waldgebieten von der Regierung - gleich welcher Couleur - in aller Regel legalisiert: In der Vergangenheit erfolgte dies häufig im Vorfeld von Parlamentswahlen.
Das wird bei den jetzt anstehenden Wahlen sicher anders sein. Denn die griechische Bevölkerung wird, wenn sie den Schock dieser Tage überwunden hat, solchen Zynismus wohl nicht mehr hinnehmen. Es wird aber nicht reichen, nur der Neigung nachzugeben, "die da oben" zum Sündenbock zu erklären. Denn die Brandstifter und ihre Auftraggeber nutzen lediglich einen Trend aus, der die gesamte griechische Gesellschaft betrifft.
Der Kern des Problems liegt in der Hauptstadt Athen: Sie hat sich zu einem Moloch ausgewachsen, dem man zumindest zeitweise entfliehen will, möglichst in ein "Haus im Grünen". Dass dieses Grün immer rarer wird, verstärkt das Fluchtbedürfnis nur. Und befeuert die Nachfrage nach Bauland in Richtung des Peloponnes, der auf der Autobahn von Athen aus heute in zwei Stunden zu erreichen ist.
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