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Kommentar Klimaschutz steht hintenan

Kommentar von

Svenja Bergt

Umwelt- und Klimaschutz stehen bei der Stadtplanung immer noch auf hinteren Rängen. Das sieht man auch bei verschiedenen Projekten in der ganzen Stadt.

Er wolle nicht als Baumschänder und Betonkopf in die Geschichte eingehen, sagte der Bezirksstadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, am Montag. Wenn die Sorge um die eigene Reputation gegenüber nachfolgenden Generationen dazu geführt hat, dass die Bäume am Gendarmenmarkt bleiben dürfen, ist das gut. Doch dass erst Bürgerproteste den Bezirk zum Umdenken bewegt haben zeigt, dass das Problem viel tiefer liegt: Umwelt- und Klimaschutz stehen bei der Stadtplanung immer noch auf hinteren Rängen.

Natürlich ist es offiziell mittlerweile Konsens: Wir brauchen Freiflächen, in denen in warmen Sommern kalte Luft entsteht, und Schneisen, durch die bei Hitze ein Luftzug wehen kann. Wir brauchen zusätzlich zu großen Grünflächen auch kleine Parks, die Erholung für die Anwohner und Kühle für die umliegenden Straßenzüge bringen. Zumindest Mitte will das auch umsetzen. Doch am Gendarmenmarkt war die Planung auf einmal wieder ganz die alte: Erst die Idee, die Bodenebenen anzugleichen. Dann die Frage: Was machen wir dann mit den Bäumen, die derzeit dort stehen? Und daraufhin der Plan: Weg damit!

Ähnlich sieht es bei vielen Projekten in der Stadt aus. Ob Mediaspree, ob Flughafen Tegel, ob A 100: Zuerst geht es um etwas anderes - um Industrie, um Investoren, um Wirtschaftsinteressen. Die Stadt, ihre Natur und letztlich die Bewohner kommen erst danach. Gut, wenn die sich das nicht gefallen lassen. Und noch besser, wenn es die Politik dann doch mal merkt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.

2 Kommentare

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  • E
    EnzoAduro

    Man muss sich einfach mal bei Google Earth Berlin anschauen. Grüner gehts nicht. Die Umrisse der Stadt erkennt man oft daran das der Wald an der Stadtgrenze endet. In BB gibt es dann nur noch Landwirtschaft - respektive "Kulturlandschaften".

     

    Berlin braucht mehr Arbeitsplätze - und wenn bei Mediaspree ein ehemaliges abgesperrtes brachliegendes Industriegebiet in ein teilweise geöffnetes Gewerbegebiet gewandelt wird ist das doch gut. Und was gegen eine Bebauund vom Flughafen Tegel einzuwenden ist wei0 ich auch nicht. Schaut es euch auf der Karte an: Tegel liegt im Wald, da ist wirklich genug grün.

     

    Am Ende darf man nicht vergessen: Wir sind eine Metropole, wir schützen die Umwelt schon ganz von alleine. Jeder der U-Bahn fährt, ist noch besser für die Umwelt als wer eine Elektroauto fährt. Und im Winter müssen wir weniger Heizen weil die Wohnungen ein Stadtklima erzeugen.

     

    Wenn wir dann im Sommer ein paar Klimaanlagen rödeln lassen geht die Welt auch nicht unter. Die sind im übrigen effizienter als oft gedacht wenn sie gut gebaut sind.

  • X
    xonra

    20 Jahre nach Rio machen die Berliner Stadtplaner weiter wie eh und je. Politik und Verwaltung sind nicht zukunftsfähig. Die Bürger haben nächstes Jahr bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die Chance dem Rot roten Trauerspiel ein Ende zu bereiten. Nur die Partei, mit konsequent sozial und ökologisch ausgeprägtem Programm sollte eine Chance bekommen die Stadt Berlin in das 21 Jahrhundert zu führen.