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Kommentar zur Brandenburger Studie Jugend vollzieht Einheit

Konrad Litschko

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Konrad Litschko

Der märkische Nachwuchs wehrt sich gegen den braunen Ruf. Mit ersten Erfolgen.

Jahrelang plagte die Brandenburger Jugend ein übler, braun-dumpfer Ruf. Dass diese Vorstellung weitgehend ein Zerrbild ist, beweist eine am Dienstag veröffentlichte Studie. Die Befragung zeigt: Der Jungmärker blickt optimistisch in die Zukunft, will einen erfüllenden Job, eine Familie und "das Leben genießen" - Lebensentwürfe, so langweilig wie normal und keinen Deut anders als im Rest der Republik.

Im Jahr 20 der deutschen Einheit wächst so eine gesamtdeutsche Normalität von unten in den märkischen Alltag. Tatsächlich halten heute vier von fünf Schüler Ost-West-Kategorien für irrelevant. Weil sie die DDR nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen. Und weil die globalisierte Welt, die mehr als zwei Pole kennt, auch in Brandenburg angekommen ist: Immer mehr ausländische Studenten, Fachkräfte und Touristen tummeln sich hier. Doch das verunsichert den lokalen Nachwuchs nicht. Im Gegenteil glaubt der wieder an eine Zukunft auch im eigenen Land. Eine hoffnungsvolle Wende für Brandenburg und eine lebensnotwendige.

Ebenso erfreulich: Immer mehr Junge lehnen den im Land einst weit verbreiteten Rechtsextremismus ab. Seit den 90ern hat sich ihr Anteil beinah verdoppelt. Tatsächlich sind es viele junge Gesichter, die in Halbe, Königs Wusterhausen oder Neuruppin dem braunen Treiben nicht länger zusehen. Sie sorgten mit dafür, dass sich in den letzten Jahren stets Protest zeigte, wo Neonazis aufkreuzten. Hier wird deutlich, dass der Nachwuchs nur partiell politikverdrossen ist - statt parteilich engagiert er sich heute vermehrt außerparlamentarisch. Das könnte Brandenburg eine vitale, freche Jugend bescheren. Es sollte.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Konrad Litschko

Konrad Litschko Reportage und Recherche

Ressort Reportage und Recherche. Zuvor Redakteur für Themen der "Inneren Sicherheit" im taz-Inlandsressort, dort von 2022 bis 2024 stellvertretender Ressortleiter. Davor im Berlin-Ressort. Mitautor der Bücher "Staatsgewalt" (2023), "Fehlender Mindestabstand" (2021), "Extreme Sicherheit" (2019) und „Bürgerland Brandenburg" (2009). Threema ID: 2H9VKXR4
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