Kommentar Zerwürfnis im Front National : Mélenchon, der lachende Dritte
Parteiintern ist die Aufregung im Front National groß, weil der Vizechef im Couscous-Lokal isst. Sein Parteiaustritt gehört zu einer größeren Krise.
D ie Krise im rechtsextremen Front National beobachten viele mit Schadenfreude. Eine Partei, in der sich die Leute mit fremdenfeindlicher Allergie über einen Chef aufregen, weil er in einem Couscous-Lokal aß, ist definitiv unfähig zu regieren. Der Austritt des bisherigen Vizepräsidenten, Florian Philippot, hat somit nur ein Schlaglicht auf das seit Wochen anhaltende heftige Gezänk geworfen.
Es ist gut, dass der Teil der FN-Wählerschaft, der sich in vielleicht naiver Weise von der Kampagne zur „Entdiabolisierung“ des FN einwickeln ließ, jetzt die alte Fratze der extremen Rechten entdeckt, die unter dem von Marine Le Pen angestrebten „salonfähigen“ Image zum Vorschein kommt. Solche internen, zum Teil sogar brutalen Abrechnungen gab es übrigens bei den Erben des Faschismus in Frankreich immer wieder.
Heute wird Philippot von seinen Rivalen im FN beschuldigt, er scheue die Kontroverse. Dabei verdeutlichen seine Entmachtung und die polemischen Anfeindungen nur, dass die demokratische Debatte noch nie ein Markenzeichen dieses politischen Lagers gewesen ist. Freuen wird sich darüber der alte Jean-Marie Le Pen, der selbst auch ausgeschlossen worden ist. Er verkörpert immer noch den FN, der sich nicht scheut, zum Rassismus und zur reaktionären kolonialistischen Nostalgie zu stehen.
Bei Philippots Gegnern bedanken kann sich aber auch die Gegenseite, also der Linke Jean-Luc Mélenchon. Seine Bewegung, La France insoumise, hat in der französischen Politik als Opposition heute kaum Konkurrenz, und schon gar nicht von ganz rechts. Die von internen Problemen absorbierte Marine Le Pen ist praktisch unhörbar geworden.
Mélenchon, der es im Unterschied zu ihr nicht ins Finale der Präsidentschaftswahlen geschafft hatte, bekommt seine Revanche. Er führt jetzt fast solo als Gegner von Präsident Emmanuel Macron den politischen Widerstand gegen die liberalen Arbeitsrechtsreformen an.
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