Kommentar Windpark-Investoren: Windige Heuschrecke

So genannte Heuschrecken reißen sich Windparks in Deutschland unter den Nagel. Doch das vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern schafft welche.

Jetzt reißen sich die sogenannten Heuschrecken wie die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone auch noch Windparks in Deutschland unter den Nagel. Das klingt beängstigend, genießt die Beteiligungsbranche doch einen miserablen Ruf. Zu gut ist in Erinnerung, dass Finanzinvestoren Unternehmen kauften und ohne Rücksicht auf die Belegschaft oder gar die Umwelt auf Rendite trimmten und dann schnell wieder abstießen. Droht dieses Schicksal nun der Windenergiebranche?

Wahrscheinlich nicht. Windparks auf hoher See sind ein Geschäft, das in Deutschland erst im Aufbau ist. Bisher gibt es kein einziges Projekt, das schon Strom liefert. Wenn Blackstone jetzt tatsächlich in ein Vorhaben in der Nordsee investiert, würde die Firma Arbeitsplätze nicht vernichten, im Gegenteil, sie würde sie schaffen.

Auch die Umwelt könnte von einem solchen Engagement profitieren. Große Windkraftwerke werden gebraucht, um die klimaschädliche Kohleenergie zu ersetzen. Dafür bieten sich Standorte auf hoher See an, da der Wind dort besonders stark ist. Außerdem gibt es an Land weniger Platz, und viele Anwohner wehren sich, weil die Kraftwerke die Landschaft verschandeln. Auf hoher See sieht das anders aus. Zwar gibt es auch dort Umweltprobleme: Vögel könnten mit den Rotoren kollidieren. Aber die Kraftwerke ließen sich jenseits der Vogelzugrouten aufstellen.

Das größte Problem war bisher, dass Offshore-Windparks sehr teuer sind. Sie müssen extrem stabil sein, die Wartung ist schwierig. Der Aufwand, ein Kabel für die Übertragung des Stroms von der Anlage ans Ufer zu legen, lohnt sich nur, wenn man gleich sehr viele Kraftwerke baut. Da werden Milliarden Euro fällig - zu viel für kleine und mittlere Unternehmen. Die großen Energieversorger aber investieren bisher nur zaghaft. Man darf bezweifeln, ob diese Atom- und Kohlebefürworter überhaupt große Windkraftwerke wollen. Blackstone ist da unverdächtig. Die Aktiengesellschaft muss mit ihren Investitionen Geld verdienen. Und wenn sie es jetzt mit einer umweltfreundlichen Technik tut - um so besser. JOST MAURIN

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Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik, Pestizide, Verbraucherschutz und die Lebensmittelindustrie. 2018, 2017 und 2014 Journalistenpreis "Grüne Reportage". 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2013 nominiert für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.

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