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Kommentar Weltfinanzgipfel Selbstlob soll Krise abwenden

Kommentar von

Nicola Liebert

Obwohl dringender Handlungsbedarf besteht, einigen sich die Staats- und Regierungschefs auf dem Weltfinanzgipfel auf nichts - und warten auf Barack Obama.

Die Industrieländer sind offiziell in die Rezession gerutscht, Pakistan steht vor dem Staatsbankrott und muss vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gerettet werden, und bei den Autokonzernen drohen die ersten Megapleiten. Die Staats- und Regierungschefs der großen Industrie- und Schwellenländer wissen auch, wie sie darauf reagieren müssen: Sie klopfen sich selbst auf die Schultern. Man habe überzeugende Schritte zur Konjunkturankurbelung und zur Finanzmarktstabilisierung unternommen, loben sie sich in der Abschlusserklärung des Weltfinanzgipfels. Man müsste eigentlich noch mehr tun, räumen sie ein. Aber was - darauf wollen sie sich partout nicht festlegen.

Die Deutschen haben sich auf die Regulierung von Hedgefonds und Ratingagenturen eingeschossen. Das ist zwar zu begrüßen, aber beide haben die Krise nicht ausgelöst. Die Franzosen möchten die Finanzmarktaufsicht grenzüberschreitend gestalten, womöglich durch einen zur Finanzpolizei aufgemotzten IWF. Die Amerikaner unter dem scheidenden George Bush wollen vor allem eins: all das verhindern. Und die Schwellenländer wollten anscheinend nur mal kundtun, dass sie an dem Debakel nicht schuld sind. Das mag richtig sein. Hilfreich ist es nicht.

Dabei wäre die überfällige Regulierung der Finanzmärkte nur ein erster Schritt. So wie 1944 in Bretton Woods ein System fester Wechselkurse geschaffen wurde, das für 30 Jahre Ruhe auf den Märkten sorgte, so müsste auch jetzt ein neues Finanzsystem entworfen werden. Es müsste nicht nur alles daran gesetzt werden, die globale Wirtschaftskrise zu lindern. Die Chance sollte genutzt werden, um endlich die Serie von Krisen zu beenden, die die Weltwirtschaft seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems regelmäßig erschüttern.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama, auf den man mit dem nächsten Gipfel warten will. Nur leider weist nichts darauf hin, dass mit Obama diese Fragen angesprochen, geschweige denn angegangen werden. Braucht es denn wirklich wieder einen Weltkrieg, damit sich die Politiker auf irgendetwas einigen können? NICOLA LIEBERT

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1 Kommentar

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  • H
    hto

    Liebe Nicola, zum Thema hoffen auf Godot,

     

    1995 Weltwirtschaftskonferenz in den USA: weil sich die "Kleinen" die Bedingungen der Globalisierung noch nicht einfach überstülpen lassen wollten, haben die "Großen" einfach mal eben (wohl aus Langeweile!?) aus Brot und Spiele das Tititainment formuliert, mit dem Hinweis das alles wie gewohnt bleibt - Ein Fünftel der Weltbevölkerung in Arbeit, der Rest im Tititainment.

     

    Diese Weltwirtschaftskrise ist keine Krise, sondern einfach nur eine Marktbereinigung, und ihr produziert dafür systemrationalen Kommunikationsmüll!