Kommentar: Über das Verbot des "Mongols MC"

Billige Siege gegen Rocker

Bei Rockern in Bremen wird politisch mit zweierlei Maß gemessen: Die "Mongols" werden präventiv verboten, "Hells Angels" erst nach Jahren. Andere leben weiter.

BREMEN taz | Wenn es um Rocker in Bremen geht, so wird politisch offenbar mit zweierlei Maß gemessen.

Einerseits hat SPD-Innensenator Ulrich Mäurer den Bremer Ableger des „Mongols MC“ kurz vor der letzten Wahl verboten – einfach, weil deren Mitglieder Straftaten begehen könnten. Andererseits aber konnten die mächtigeren „Hells Angels“ jahrelang in Bremen bestehen, ganz ohne verboten zu werden – obwohl eine ganze Reihe von ihnen wegen allerlei Delikten auffiel. Und in ihrem Zusammenhang immer wieder von „organisierter Kriminalität“ die Rede war.

Verboten wurde dann erst die Nachfolge-Organisation der unbehelligten „Hells Angels MC Westside“. Und die hatten selbst das Feld geräumt, um anderswo aktiv zu werden. Da ist ein Verbot kaum noch von Belang. Und noch heute weiter bestehen dürfen der „Gremium MC“ in Bremerhaven oder die „Wild Vikings“ in Bremen, die beide auch zu den „Outlaw Motorcycle Gangs“ gehören. Könnten, nein: Müssten die dann nicht auch alle präventiv verboten werden?

Der Politik geht es also weniger um die Rocker. Es ging darum, mal öffentlich Stärke im Kampf gegen Familie M. zu zeigen. Da war ein Verbot der Mongols ein schneller politischer Sieg. Aber auch nicht mehr als billige Symbolpolitik.

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JAN ZIER, Lokalredakteur, Chef vom Dienst & Fotograf in Bremen, Jahrgang 1974. Seit 2004 bei der taz.nord. Schwerpunkte: Parteipolitik, Recht & Justiz, zeitgenössische Kunst & Kultur. Promotion über die Rolle der Nationalen Parlamente in der EU

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