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Kommentar Krankenhausfusion Kleiner Anteil, großer Einfluss

Jan Kahlcke

Kommentar von

Jan Kahlcke

Dass die katholische Seite mit ihrer Minderheitsbeteiligung über die Ausrichtung der Klinik entscheidet, ist ein Irrwitz.

H ätte das katholische Krankenhaus St. Willehad in Wilhelmshaven seine Mittel immer so effizient eingesetzt – es stünde jetzt wohl kaum vor einer Fusion mit einer städtischen Klinik: Bei nicht einmal 30 Prozent würde der Anteil der Katholiken an einem künftigen neuen Klinikum liegen. Dennoch wollen sie bestimmen, dass das neue Klinikum keine Abtreibungen ohne medizinische Indikation durchführt – ein Irrwitz.

Nicht witzig ist das Ergebnis dieser katholischen „Werte“-Expansion für die Menschen in einer Stadt mit nur zwölf Prozent Katholiken: Für Frauen, die bei diesem schweren Eingriff auf die Sicherheit einer stationären Behandlung Wert legen oder gar unter Komplikationen leiden, würde eine riesige medizinische Versorgungslücke gerissen.

Viele können nicht in die nächste Klinik fahren, weil ihnen das Geld fehlt. Abtreibungen sind seit Hartz IV verstärkt ein Armutsphänomen geworden, weil Sozialämter keine Verhütungsmittel mehr bezahlen. Im armen Wilhelmshaven ist das ein echter Faktor.

Die katholische Kirche, die ihre Dogmen mal wieder über alle lebenspraktischen Fragen stellt, treibt ihren Zynismus auf die Spitze, wenn sie gleichzeitig medizinisch indizierten Abbrüchen zustimmt. Gemeint sind damit vor allem Schwangerschaften, bei denen das Risiko einer Behinderung groß ist. Nach dem Motto: Selbstbestimmung der Frauen – nein; Ausmerzung „lebensunwerten“ Lebens – ja.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jan Kahlcke

Jan Kahlcke Redaktionsleiter

Jan Kahlcke, war von 1999 bis 2003 erst Volontär und dann Redakteur bei der taz bremen, danach freier Journalist. 2006 kehrte er als Redaktionsleiter zur taz nord in Hamburg zurück
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2 Kommentare

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  • AK
    andreas kube

    Als Katholik befürworte (!) ich Abtreibung. Die Mehrheit aller Katholiken sieht das übrigens auch so. Katholiken sind (4/5 tel mehrheitlich) völlig normale Leute in total unterschiedlichen Parteien. Wenn meine Kirche nicht endlich zur Besinnung kommt, werden wir unsere Kirche mit der Gewalt des Gesetzes züchtigen und eine sinnvolle Regelung und Versorgung der Bevölkerung herbeiführen. Amen!

  • A
    Atheist

    Das Problem ist doch nicht, dass die Kirche an ihrer hinlänglich bekannten Position festhält, sondern dass die Politik sich erpressen lässt und dabei mitmacht.

     

    und klar, die Grünen würden gerne anders, können aber "leider" nicht....

    "Wir haben die Verwaltung darauf hingewiesen...." na dann