Kommentar Hamas : Ein Sieg für den Feind
Mit den islamistischen Extremisten hatten Israel und die Hamas einen gemeinsamen Feind. Erstmals wäre ein Bündnis möglich gewesen.
Man möchte die Hamas nicht gern zum Feind haben. Schon gar nicht als Bewohner des Gazastreifens. Denn dort macht das islamistische Regime kurzen Prozess mit jeder Gruppierung, die eine politische Bedrohung darstellen könnte. Trifft es die Fatah, dann bieten Israel und der Westen umgehend Hilfestellung an, letztlich auch, um sich mit dem kleineren Übel gegen das größere zu verbünden.
Geht die Hamas gegen andere islamistische Extremisten vor, ohne sich dabei an die Genfer Konvention zu halten, und eröffnet sie das Feuer, ohne es vorher mit Verhandlungen zu versuchen, stört das den liberalen Westen verständlicherweise weniger. Hier trifft es mal den Richtigen: den sexuellen Unterdrücker, den Feind der Nichtmuslime und der Demokratie, den Verbieter westlicher Musik und des Alkohols, der es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt.
Im Westjordanland funktioniert das Prinzip "der Feind meines Feindes ist mein Freund" gar nicht schlecht seit dem Rauswurf der Fatah aus Gaza. Israelische Soldaten und Fatah räumen gemeinsam mit der Hamas auf. Aus israelischer Sicht ist damit ein zentrales Friedensziel erreicht. Die Sicherheitskräfte des Nachbarn übernehmen die Verantwortung für die Sicherheit Israels.
Am Wochenende haben zum ersten Mal Hamas-Polizisten eine Schlacht ausgetragen, deren siegreiches Ende auch Israel zugutekommt. Zum ersten Mal wäre theoretisch ein Bündnis zwischen Israel und der Hamas möglich gewesen, denn beide hatten denselben Feind. Dennoch wird es kein Bündnis geben. Noch wird die Hamas sehr gut allein mit den extremistischen Islamisten fertig.
Fest steht, dass mit der Hamas das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. In Gaza könnte es noch schlimmer werden, noch extremistischer, noch brutaler. Das riesige Gefängnis Gazastreifen ist eine Brutstätte für Islamisten.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert