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Kommentar Google-Software in der SchuleKlassenzimmer unter Konzerneinfluss

Elisabeth Kimmerle

Kommentar von

Elisabeth Kimmerle

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung auch in der Bildung hinterher. Dass jetzt Google ein großer Sponsor wird, schafft Abhängigkeiten.

Einmal Google, immer Google? SchülerInnen lernen jetzt mit dem Calliope mini Foto: imago/Thomas Lebie

J edes Schulkind soll ab der dritten Klasse programmieren lernen, geht es nach der gemeinnützigen Calliope gGmbH. Mit dem Einplatinen-Computer Calliope mini will die gGmbH SchülerInnen spielerisch an die digitale Welt heranführen. Das Ziel: Die Kinder sollen Computer nicht nur bedienen können, sondern auch verstehen.

Das klingt vielversprechend, denn was die Digitalisierung angeht, hinkt Deutschland auch in der Bildung hinterher. An den Schulen fehlt es vielfach an Ausstattung und Medienkompetenz der Lehrkräfte.

Spricht also nichts dagegen, dass ein Projekt, dessen größter Sponsor Google ist, die digitale Bildung flächendeckend an deutsche Schulen bringt? Doch. Denn die Lücke an Schulen, in die nun die Wirtschaft stößt, zu füllen, sollte Aufgabe von Bund und Ländern sein. Hier stockt es.

Der fünf Milliarden Euro schwere Digitalpakt zwischen Bund und Ländern zum Ausbau der digitalen Bildung an Schulen, den die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Oktober vergangenen Jahres angekündigt hatte, wurde auf die neue Legislaturperiode verschoben. Im Bundeshaushaltsplan 2018 sind keine Mittel für den digitalen Ausbau an Schulen vorgesehen.

Wenn Calliope den Schulen nun im großen Stil Kleinstcomputer spendet, wächst die Einflussnahme von Unternehmen auf schulische Bildung. Zwar betont Calliope, dass Google inhaltlich keinen Einfluss nimmt, aber hinter solchem Engagement stecken Interessen. Mit dem Calliope mini verschaffen sich die Unternehmen eine Monopolstellung auf dem deutschen Bildungsmarkt.

Calliope will laut Eigenaussage die Anschubfinanzierung durch Spenden von Unternehmen und Stiftungen leisten, um die flächendeckende digitale Ausstattung später schrittweise in den regulären Betrieb des Bildungssystems zu integrieren. Das könnte den Bund und die Länder teuer zu stehen kommen: Im Vergleich zu ähnlichen Produkten ist der Calliope mini teuer – doch sind erst einmal alle Schulen mit dem Kleinstcomputer ausgestattet, wird der Wechsel schwierig.

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Elisabeth Kimmerle
Redakteurin taz.gazete
arbeitet bei der deutsch-türkischen Nachrichtenplattform taz.gazete. Sie war von 2016 bis 2017 Volontärin bei der taz und hat davor Philosophie, Germanistik und Journalistik in Freiburg, Leipzig und Istanbul studiert.
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7 Kommentare

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  • 9G
    95827 (Profil gelöscht)

    Weil die Digitalisierung natürlich das dringendste Problem ist, dass haben. Wird sie umgesetzt, ist das Schulsystem im Lot. Und wie das Smartphone ganz automatisch die Menschen schlauer macht, so können Kinder plötzlich kopfrechnen, rechtschreiben und global denken, sobald sie in der Lage sind, ein Massenkonsumeingabegerät zu bedienen .

  • Kann es sein, dass weder Autorin noch die werten Mitforisten vor der Meinungsbildung jemals einen Blick auf das Produkt oder zumindest die Website geworfen haben? Da könnte man nämlich sehen, dass man sich durchaus nicht in völlige Abhängigkeit zu Google begeben muss. Dass die deutsche Bildungspolitik (nicht nur) in dieser Hinsicht eine Schande ist -- gewiss. Sicher wäre es besser, wenn man nicht auf private Initiativen wartren müsste.

    Zum Programmieren braucht es jedenfalls nur einen Rechner mit Browser und ein USB-Kabel, fertig: https://calliope.cc/editor

    Kann ich empfehlen, macht Spaß! ;-)

     

    Der Browser darf dabei gern auch unter Linux o.ä. laufen. I.Ü. ist Microsoft auch Sponsor -- von der völligen Unterwerfung diesem Partner gegenüber in quasi allen anderen Belangen (Ausnahme: Tablets sind natürlich immer iPads) ist mal wieder keine Rede. Das scheint gottgegeben, aber Google ist total böse... (Jaja, die verfolgen Interessen, klar. Da gibt es aber ganz andere Einfllussnahmen, die ich zuerst abgestellt sehen möchte.)

  • "Jedes Schulkind soll ab der dritten Klasse programmieren lernen, geht es nach der gemeinnützigen Calliope gGmbH."

     

    Mit oder ohne Einflussnahme oder gar Federführung der Industrie, die Frage sollte zunächst doch sein: Was ist mit "programmieren lernen" eigentlich gemeint, und ist dieses Ziel überhaupt sinnvoll und wünschenswert?

  • Im Jahre 1998 haben wir (Fortschritt sei Dank) eine freiwillige Computer-AG gehabt. Dort haben wir "WORD" und....."WORD" gelernt. Den Rest der haben wir mit Egoshootern im Netzwerk gekämpft. Unsere Lehrerin hat interessiert zugeguckt...sowas kannte sie noch nicht. Aber heute ist alles gut....endlich Profis im Lehramt!

  • Dank der schwarzen Null, werden wir auch Entwicklungsland bleiben.

    Erschreckend nur, das sich die Gesellschaft solch elementaren Gebiete ,wie Bildung aus der Hand nehmen lässt.

  • Das ist keine Einflussnahme, das ist Entwicklungshilfe, weil der Informatik Unterricht seit 30 Jahren auf gleichem Nivau steckenbleibt. Die haben Mitleid mit uns.

    • @LastHope:

      a.) die Grundlagen der Informatik werden noch in 5000000 Jahren die gleichen sein.

      b.) man braucht zuvor eine saubere Basis: Mathematik, Physik,...

      c.) Wenn Kinder auf Tablets rumpatschen, Google nach Begriffen suchen lassen oder Word öffnen hat das nichts mit Informatik zu tun. Gar nichts!