Kommentar Energetische Sanierung : Armut durch gedämmte Fassaden
Fassaden, neue Fenster und Aufzug lassen die Miete manchmal um 100 Euro oder mehr hochschnellen. Die Regierung muss sich kümmern.
D ie Vorhaben klingen so gut: Gedämmte Fassaden, Isofenster und Aufzüge sollten die Wohnungen in Deutschland menschenfreundlicher machen. Die Heizkosten verringern sich, alte Menschen kommen dank des Lifts wieder mehr an die frische Luft. Super. Theoretisch.
In der Praxis haben sich Modernisierungen und darunter auch die energetische Sanierung zum Schreckgespenst vieler Mieter in den Ballungszentren entwickelt. Fassaden, neue Fenster, Aufzug – hoch geht die Miete. Manchmal um 100, 150 Euro oder sogar mehr.
Für Leute, deren Haushaltsplanung auf Kante genäht ist, können solche Mietsteigerungen bedeuten, dass sie sich entweder anderswo eine Bleibe suchen müssen, was aber aufgrund der hohen Angebotsmieten nicht billiger wird. Oder sie schränken sich in der Lebensführung ein. Armutsgefährdete Haushalte bezahlen schon jetzt die Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten.
Dabei sind die Modernisierungsgesetze ein Skandal. Eigentümer können jährlich 11 Prozent der Kosten für die Modernisierung auf die Mieter umlegen, in neun Jahren ist die Sanierung damit komplett bezahlt: von den Mietern. Der Investor kassiert danach weiter den hohen Mietzins. Praktisch.
Energetische Sanierung, nein Danke
Das hätten die Verfechter der energetischen Sanierungen wohl nicht gedacht, dass sie irgendwann mal als Ignoranten dastehen könnten, lebensfern wie teure Bioläden inmitten eines sozialen Brennpunktes. Die Vorstöße der SPD und der Grünen, die Modernisierungsumlage für Bestandsmieter zu beschränken, gehen daher in die richtige Richtung.
Die Linke will die Umlage sogar auf 5 Prozent strecken, dies würde die Mieterhöhungen nach Sanierungen halbieren. Vielleicht wird dann weniger modernisiert. Sei’s drum. Ein Kompromiss muss gefunden werden. In der nächsten Bundesregierung.
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