piwik no script img

Kolumne Jungswelten, MädchenweltenDanke, Jungs

Frauke Böger
Kolumne
von Frauke Böger

Es ist ein Klassiker unter den Jungsvergnügen - Motörhead ist in der Stadt. Da kann Ü. zur Hochform auflaufen und mir Lederjackenschränke vom Hals halten.

W ir müssen die Warze sehen. Ja, logisch. Die Warze, was sonst? Ü. fragt mich, ob ich mit zu einem Motörhead-Konzert gehen will. Und ist schon von meiner Zusage beeindruckt. Manchmal ist es einfach, Jungs zu beeindrucken. Ü. ist nicht der einzige, und ich nutze das natürlich, um noch weitere echte Kerle zu beeindrucken. Vom Konzert aus rufe ich meinen besten Freund und Rocker der alten Schule an, damit er ein bisschen mithören kann. So macht man das, unter Jungs.

Beeindruckt bin ich aber dann auch - diese Horde Männer, die wirklich so aussehen, wie man sich das vorher gedacht hat, und ganz friedlich und gelöst in die Halle strömen. Und während des Konzerts höflich auf die Schulter tippen, um vorbeizukommen und ganz selbstverständlich den eigenen Kumpel beiseite schieben, wenn man selbst weiter nach vorne will. Und das wollen wir. Aber nicht zu weit, so ganz traue ich der Horde doch nicht.

Ü. bemüht sich, dafür zu sorgen, dass mir kein 90-Kilo-Lederjackenschrank mit langen Haaren in die Arme fliegt. Außerdem erzählt er mir reihenweise Details der Bandgeschichte, die ich entweder nicht höre oder sofort wieder vergesse, aber ich nicke immerzu anerkennend. Ist doch toll, wenn man ab und an eine Plattform für Gentleman-Allüren und Angeberwissen über die lauteste Band der Welt bieten kann. Jungs halt.

Ö. ist Redakteurin bei taz.de.

Ach so, Musik gibt's auch. Oder zumindest einen konstanten Lärmpegel, der bei mir aber immerhin stetes Kopfnicken verursacht. Die Performance ist nett, der Schlagzeuger, Mikkey Dee, seine schönen Oberarmmuskeln, seine Urschreie und gorillahaftes Winden sind wirklich reizend. Jungs unter sich, sehr erfrischend. Ich habe den ganzen Abend, anderthalb Stunden halten die ältlichen Herren durch, ein vermutlich etwas dümmliches Grinsen im Gesicht. Danke dafür, Jungs.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Frauke Böger

Frauke Böger Leiterin taz.de (ehem.)

Jahrgang 1982, seit 2009 bei der taz. 2011/2012 Redakteurin für die „berlinfolgen“, die mit dem Grimme Online Award 2012 ausgezeichnet wurden. Von Anfang 2013 bis Juli 2014 leitete sie zusammen mit Julia Niemann das Online-Ressort der taz. Anschließend wechselte sie zu Spiegel Online.
Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • DV
    Déjà vu

    Mir kommen die beiden Kolumnen irgendwie bekannt vor...

  • A
    AlteSchwedin

    ist das nicht toll und spaßig ein konzert zu besuchen, ohne jeglichen bezug zur dargebotenen musik zu haben?

     

    ich bin weiblich und habe motörhead vor ca 20 jahren gesehen und live gehört mit einer menge anderen jungen mädels (ja ok, ein paar jungs warn auch dabei) zusammen. danach wusste ich: nee, konserve langt, da weiß ich immerhin welchen song ich gerade höre. ist nämlich "die lauteste band der welt" - wußten sie das etwa nicht?

     

    und wer hätte das gedacht: m. soll auch unter punkrockern nicht unbeliebt sein, die alten haudegen machen nämlich nicht nur krach sondern mitunter auch texte mit gesellschaftskritischem inhalt.