Klimakterium in der S-Bahn: Der Name ist Programm
Wenn Wechseljahre und Hitzetage aufeinander fallen, braucht es ein vorbereitendes Programm für innen und außen.
E s ist spät, aber immer noch sehr heiß in der Ringbahn. Draußen sind sicher immer noch 30 Grad und aus welchen Gründen auch immer ist die Klimaanlage ausgefallen und die Fenster sind nicht zu öffnen. Es riecht komisch süßlich und die Luft ist so dick, als könnte man sie löffeln. Im Neonlicht sehen die Leute aus wie blasse Geister.
Ich sitze mit zwei Frauen in einem Vierersitz. Neben mir sitzt eine ältere Frau in einem Sommerkleid mit einer Ikeatasche.
Die Frau gegenüber mit kurzen Haaren und einer kurzen Hose kramt in ihrer gar nicht so großen Handtasche und holt alles Mögliche daraus hervor. Sie guckt in einen Handspiegel, holt einen Lippenstift hervor, malt sich die Lippen an und verstaut alles wieder. Dann nimmt sie eine riesige Bonbontüte aus der Tasche, kramt einen heraus, steckt ihn sich in den Mund, begegnet unserem Blick und hält uns die Tüte hin: „Wollen Sie? Ist Menthol, das kühlt.“
Die Frau neben mir lehnt ab, aber ich nehme mir ein Bonbon. Tatsächlich breitet sich ein richtig frisches Gefühl im Mund aus. Man könnte es mit Kälte verwechseln. Genialer Trick, denke ich.
Die Frau holt jetzt noch eine große weiße Sprühflasche aus der Tasche, öffnet die Kappe und sprüht sich damit ins Gesicht und über den Hals. Als sie fertig ist, sagt sie: „Jetzt kommt Trick 17.“
Dann holt sie einen Hand-Ventilator hervor und hält ihn sich vor das nasse Gesicht.
Ich lache, die ältere Frau schüttelt den Kopf und sagt: „Was Sie alles dabei haben!“
„Ich hab Hitze UND Wechseljahre, da muss man vorbereitet sein“, erklärt die Frau. „Zu Hause unterm Dach hab ich feuchte Tücher gespannt und die Fenster mit Alu abgedeckt. Ins Bett geh ich nur mit ner Wärmflasche aus dem Eisfach. Sonst ist es zu heiß.“
Die Ältere lacht und sagt: „Klimakterium. Der Name ist einfach Programm.“
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