Plötzlich unbeweglich: Wie ein Reh im Handylicht
Oft schon ist unser Autor beim Einkaufen versehentlich in andere Menschen hineingerannt, weil sie ohne Vorwarnung vor ihm stehengeblieben sind.
N ormalerweise, wenn ich zum Einkaufen gehe, schultere ich meinen Rucksack, stecke mir Kopfhörer in die Ohren und laufe die paar Hundert Meter Richtung Kaufhalle. In letzter Zeit wird dieser Weg aber zunehmend schwierig. Und das liegt unter anderem daran, dass ich immer wieder um Haaresbreite Menschen ausweichen muss, die scheinbar aus dem Nichts auftauchend unbeweglich dastehen, wie Steinsäulen.
In aller Regel halten sie ein Handy in der Hand.
Zuletzt blieben vor mir, auf dieser sehr kurzen Strecke, vier Menschen stehen. Ungelogen.
Sie heben nicht die Hand zur Warnung, sie machen nicht mal den Schulterblick. Als wären sie Rehe, die des Nachts ins Scheinwerferlicht eines Autos geraten. Das habe ich auch schon mehr als einmal erlebt. Nur, dass sich so ein Reh irgendwann löst und erschrocken ins Unterholz hoppelt. Diese Leute hoppeln nicht. Wohin auch, in Hauseingänge?
Also winde ich mich an ihnen vorbei und denke mir meinen Teil. Ansprechen würde ich diese Menschen sicherlich nicht. Sie könnten sich schwer erschrecken oder gar wütend werden und sagen:
„Ich bin überhaupt nicht stehengeblieben!“
„Was fällt Ihnen ein!“
„Selber doof!“
Darauf habe ich keine Lust und schüttle im Höchstfall still meinen Kopf. Wie bei den vier auf einen Streich letztens. Da fand ich es angebracht. Auch, weil ich mich in meiner These für dieses neue Prellbockdasein der Menschheit bestätigt fühle: Handysucht.
Kaum brubbelt es in der Hosentasche, legt sich ein Schalter in den Köpfen um, und die Menschen können nicht anders, als so mittig wie möglich im Weg zu stehen. Und während ich vor der Eingangstür der Kaufhalle darüber nachdenke, vibriert es in meiner Tasche. Es ist eine Nachricht von meinem großen Sohn. Das muss wichtig sein, denke ich. Und stehe, glaube ich, rekordverdächtig schnell auch mitten im Weg. Um ein Haar wäre ich in mich selbst hinein gerannt.
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