Klimaaktivismus: Kohlebagger im Tagebau Hambach besetzt
Die Aktion richtet sich gegen die bevorstehende Rodung des Sündenwalds im rheinischen Kohlerevier. Dieser ist seit einem Jahr besetzt.
Zwölf Aktivist*innen haben am Freitagmorgen einen Braunkohlebagger und eine Transportbandanlage im Tagebau Hambach im rheinischen Kohlerevier besetzt und Transparente mit der Aufschrift „Kohlebagger entern, Kapitalismus kentern“ angebracht.
Die Aktion richtete sich nach Angaben der Aktivist*innen gegen die bevorstehende Abholzung des sogenannten “Sündenwäldchens“ durch den Kohlekonzern RWE.
„Es sagt viel über unser Wirtschaftssystem aus, dass es profitabel ist, Wälder zu roden und Dörfer einzureißen, um giftige Seen zu füllen, Yachthäfen und Luxusapartments zu bauen und Inseln aufzuschütten“, heißt es in einer Mitteilung der Gruppe, die sich „Pirat*innen“ nennt.
RWE verurteilt die Aktion
RWE will das Wäldchen am Rande des Tagebaus roden, um Kies abbauen zu können. So soll die Böschung eines später dort geplanten Tagebausees stabilisiert werden. Zu den Bauplänen eines Yachthafens äußerte sich der Konzern auf taz-Anfrage nicht.
Ein RWE-Sprecher verurteilte die Besetzung des Baggers und kündigte an, das Unternehmen werde Anzeige erstatten. Der Bagger wurde aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, die Kohleversorgung der Kraftwerke blieb laut RWE jederzeit gewährleistet: „Mit dieser unverantwortlichen Aktion bringen die Störer sowohl Mitarbeiter von RWE als auch sich selbst in Gefahr.“
Die Polizei hatte am Mittag mit der Räumung der Aktivist*innen begonnen und dafür nach eigenen Angaben auch spezialisierte Höhenretter angefordert.
Historisch gehört der „Sündi“, wie die Aktivist*nnen sagen, zum Hambacher Wald, der ja eigentlich als vertraglich zwischen RWE und Landesregierung zugesichert unangetastet bleiben muss.
Rodung ab Oktober möglich
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hatte bereits im Januar gegen die Rodung geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte einen Eilantrag jedoch zurückgewiesen. Die Abholzung des Sündenwäldchens sei nötig, um Abraum für die standsicheren Böschungen des geplanten Tagebausees herzustellen, heißt es in der Mitteilung des Gerichts.
Das Waldstück ist nach Angaben der Initiative „Wald statt Asphalt“ ungefähr seit einem Jahr mit Baumhäusern besetzt. Der nicht besetzte Teil wurde bereits gerodet. In der kommenden Rodungssaison, die am 1. Oktober beginnt, soll nun die verbliebene etwa ein Hektar große Fläche von Bäumen befreit werden.
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