piwik no script img

Klebrige Post aus der TürkeiDie Paketbombe

Als ein mysteriöses Paket ohne Absender ankommt, bringe ich es natürlich zur Polizei. Nach der Sprengung im Keller freut sich der Polizeihund.

M eine Frau kommt strahlend ins Wohnzimmer gestürmt:„Osman, schau doch, endlich denkt jemand an uns. Wir haben ein Paket bekommen! Ist das nicht toll?“

„Eminanim, jemand denkt an uns, aber bestimmt nicht in guter Absicht. Siehst du nicht, dass kein Absender draufsteht? Das ist bestimmt eine Bombe“, brülle ich und werfe mich hinter das Sofa.

„Nur weil irgendein Idiot zu blöd war, seinen Namen auf das Paket zu schreiben, ist es gleich eine Bombe?“

„Hörst du denn nie Nachrichten? Alle großen Persönlichkeiten bekommen Bomben zugeschickt!“

„Dann ist ja alles gut. Wenn nur große Persönlichkeiten Bomben bekommen, brauchst du dir keine Sorgen zu machen“, lacht sie.„Sogar Obama hat mal eine bekommen.“

„Dann bist du in Gefahr, Osman. Eure Namen fangen beide mit O an und ihr wart beide mal US-Präsident.“

„Eminanim, du kapierst den Ernst der Lage nicht. Ich bringe das Ding sofort zur Polizei.“

Als ich schweißgebadet mit der Bombe beim Polizeirevier ankomme, beachtet mich niemand. Ich lege das Paket vorsichtig auf den Tresen, gehe rückwärts bis zur Tür und rufe:„Guten Tag, meine Herren! Das hier ist eine Bombe!“

Die fünf Beamten verschwinden augenblicklich im Nebenraum.Nach einer Weile lugt einer um die Ecke. „Was wollen Sie mit dieser Aktion erreichen? Geld, oder haben Sie politische Forderungen?“

„Nein, nein. Ich habe das Paket heute Morgen mit der Post bekommen. Und weil Sie ja so mutig sind, bin ich zu Ihnen gekommen.“

Sekunden später werden von allen meinen Fingern Abdrücke genommen und ich werde vor eine kahle Wand gestellt. Zum Glück erschießt man mich nicht, sondern ich werde nur fotografiert.

„Liebe Kripoleute, eigentlich sollten Sie sich um das Paket kümmern. Da drüben ist die Bombe, nicht ich!“, platzt es aus mir heraus.

Nachdem auch der extra ausgebildete Polizeihund den Karton beschnuppert und freundlich mit dem Schwanz gewedelt hat, erklärt mir ein Beamter: „Ob da eine Bombe drin ist, lässt sich nicht feststellen. Der Inhalt ist mit Alupapier umwickelt. Es gibt nur eine Möglichkeit herauszufinden, was drin ist.“

„Und die wäre?“, frage ich neugierig.

„Wir müssen das Paket sprengen.“

„Prima! Dann bin ich das Problem ein für alle Mal los“, jubele ich.

„Dafür müssen wir in den Sprengraum im Keller.“

Wir gehen gemeinsam hinunter. Höflich, wie die Polizeibeamten sind, lassen sie mich mit der Bombe vorgehen. Mein Paket kommt in einen fensterlosen Raum mit dicken Wänden. Die schwere Eisentür fällt ins Schloss und der Sprengstoffspezialist Herr Herrmann drückt auf den Auslöser. Von draußen hören wir nur einen dumpfen Knall. Da klingelt mein Handy.

„Osman, komm wieder nach Hause. Die Sache hat sich aufgeklärt“, ruft meine Frau aufgeregt. „Meine Mutter hat gerade aus Hamburg angerufen. Sie hat uns mit dem Paket fünf Kilo türkischen Honig geschickt, den sie aus der Türkei mitgebracht hat.“

„Eminanim, das weiß ich inzwischen auch. Der Polizeihund leckt das Zeug gerade von den Wänden ab!“

Mehr zum Thema

0 Kommentare