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Durchfuttern bei Familie und Nachbarn Die Pizza der anderen

Meine Schwiegermutter hat meine Frau und unseren Kühlschrank mit einem sponaten Besuch kalt erwischt. Nun muss Lieferpizza uns retten.

M eine Schwiegermutter ist wieder mal bei uns zu Besuch. Diesmal völlig überraschend, ohne Vorankündigung. Damit ich nicht erneut rein zufällig zwei Tage Außendienst habe. Selbst meine Frau Eminanim wusste nichts davon.

„Osman, meine Mutter hat mich und unseren Kühlschrank kalt erwischt. Kannst du zum Abendessen für uns alle Pizza bestellen, bitte? Pizza mag sie sehr“, meint sie aufgeregt.

Ich glaube, für meine Frau ist es schlimmer, von der eigenen Mutter ohne ein anständiges Essen für die Familie ertappt zu werden, als für einen Drogenhändler mit zwei Kilo Heroin von der Polizei erwischt zu werden.

„Eminanim, weißt du, was das kostet, für die ganze Familie, inklusive einer gierigen, nimmersatten Schwiegermutter, üppig belegte Pizzen zu bestellen? Mach doch Nudeln, das geht schnell“, wehre ich mich gegen die drohende Pleite.

Sie kocht doch immer so schön

„Nudeln? Du weißt doch, wie schön sie immer für uns kocht, wenn wir in Hamburg sind.“

„Ich weiß. Warum bringt sie denn nichts mit, wo sie doch so schön kochen kann? Eine türkische Mutter, die nichts zu ihren armen Kindern mitbringt, gibt es doch gar nicht! Ich sag ja immer: Zu viel Integration ist auch nicht gesund.“

„Mecker nicht. Fünf Pizzen reichen für uns alle.“

„Also gut. Sieben Pizzen, bitte“, sage ich dann am Telefon.

„Sieben? Erst bist du dagegen, jetzt übertreibst du wieder“, ist meine Frau wie immer nicht zufriedenzustellen.

„Die zwei zusätzlichen Pizzen sind doch für Hasan und Hasans Frau“, kläre ich sie auf.

„Wie? Besuchen die uns jetzt auch noch?“, fragt sie besorgt.

„Nein, wir besuchen sie. Macht euch schnell fertig.“

„Aber gleich kommen doch unsere Pizzen“, meint Eminanim völlig überrascht.

„Nein, ich habe Hasans Adresse angegeben, er bekommt die Pizza geliefert. Los, los, wir müssen uns beeilen“, rufe ich.

Wundern über den Pizzaboten

Hasan und seine Frau wundern sich, als wir zusammen mit der Schwiegermutter bei denen vor der Tür stehen. Erst recht wundern sie sich, als der Pizzabote klingelt.

„Sieben große Pizzen? Ich hab doch gar nichts bestellt“, stammelt unser Gastgeber völlig verwirrt.

„Doch! Das ist die richtige Adresse“, sagt der Bote trocken.

„Hasan, du bist echt ein wahrer Freund. Woher wusstest du denn, dass ich heute so großen Appetit auf Pizza habe?“, freue ich mich.

„Öhm … wenn das so ist. Dann behalten wir sie halt“, knurrt Hasan.

„Für jeden eine. Sogar an meine Schwiegermutter hast du gedacht, toll“, lobe ich ihn.

Als fürsorglicher, guter Schwiegersohn sorge ich dafür, dass meine Schwiegermutter auch am nächsten Tag ihre Lieblingspizza bekommt.

Diesmal landen sieben Pizzen bei den Ahmets, die genauso vorzüglich schmecken. Nur der Ahmet macht den ganzen Abend ein etwas saures Gesicht. Ich weiß nicht, warum.

Aber ich finde, sieben große Party-Pizzen kann sich doch wohl jeder leisten. Ist das Bürgergeld nicht letztens um 16 Cent erhöht worden?

Am Tag danach besuchen wir Sedat und seine Frau. Der arme Sedat ist leider arbeitslos.

Aber ich finde, sieben große Party-Pizzen kann sich doch wohl jeder leisten. Ist das Bürgergeld nicht letztens um 16 Cent erhöht worden?

„Papa, ich habe dir doch zu Hause ausdrücklich gesagt, dass ich heute Hawaiipizza haben will“, meckert meine kleine Tochter Hatice sehr unvorsichtig.

Sedat schaut mich etwas verdächtig von der Seite an.

Ich bin froh, dass meine Schwiegermutter morgen wieder wegfährt, ich kann keine Pizza mehr sehen.

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