Kirchen öffnen wieder: Wasser, Wein und Viruzid

Die ersten Bundeländer erlauben wieder Gottesdienste. Ausgerechnet das rot-rot-grün regierte Thüringen machte am Sonntag den Anfang.

Sonne über einem Dom

Lichtblick: Im Erfurter Dom fanden am letzten Aprilsonntag die ersten Gottesdienste wieder statt Foto: Michael Reichel/dpa

ERFURT taz | Leere Weihwasserbecken, volle Desinfektionsspender. Wer an diesem Sonntag die Treppen des Erfurter Doms erklimmt, bekreuzigt sich nicht mit Weihwasser. Stattdessen weist eine Ordnerin auf die Händedesinfektion hin – in Zeiten der Coronapandemie erlangt religiöse Reinheit eine neue Bedeutung.

Im Erfurter Dom wurden am Sonntagmorgen erstmals wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert. Die Thüringer Landesregierung hatte die für Anfang Mai geplanten Lockerungen der Coronabeschränkungen vorgezogen: Im Freistaat sind nun Versammlungen mit 30 Menschen in geschlossenen Räumen und 50 Personen unter freiem Himmel erlaubt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am selben Tag ebenfalls angekündigt, dass Gläubige ab dem 1. Mai wieder Gottesdienste feiern dürften. Bayern und Brandenburg wollen dies ab dem 4. Mai wieder ermöglichen.

Das Bistum Erfurt hat bereits vergangene Woche mit Bekanntwerden der Coronalockerungen in Thüringen ein Schutzkonzept für die Feier von öffentlichen Gottesdiensten veröffentlicht. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sowie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) haben ebenfalls Empfehlungen für die Gemeinden vorgelegt. Am Montag wird das Coronakabinett darüber beraten.

Die Ordnerin kontrolliert am Eingang des Erfurter Doms die Namen aller Besucher*innen. Wer am Gottesdienst teilnehmen will, musste sich vorab telefonisch anmelden, damit die zulässige Höchstzahl von 30 nicht überschritten wird.

Eine Bank für jede*n

Die Besucher*innen können sich freuen: jede*r erhält eine Bankreihe für sich. Merkblätter mit den einzuhaltenden Schutzmaßnahmen sind auf den Sitzen verteilt. Auf den Gemeindegesang wird verzichtet, die Töne der Orgel hallen dafür umso stärker in der leeren Kirche.

Reinhard Hauke, Erfurter Weihbischof, hält die Sonntagsmesse. Der Altarbereich um ihn herum ist nahezu leer: Anwesend sind gemäß den Vorgaben nur zwei Ministrant*innen, ein Lektor und ein Kantor. Neben der goldenen Hostienschale steht ein Fläschchen Desinfektionsmittel. „Auf verschiedene Riten müssen wir nun während des Gottesdienstes verzichten – andere müssen wir neu einführen“, erzählt Hauke nach der Messe. Üblicherweise wäscht sich der Priester während der Gabenbereitung symbolisch die Hände – ein Ritus bei Gottesdiensten der römisch-katholischen Kirche. „Jetzt desinfiziere ich meine Hände eben“, erklärt der Weihbischof lächelnd.

Üblicherweise kommen die Gläubigen für die heilige Kommunion zum Altar. An diesem Sonntag läuft Hauke durch die Bankreihen, um die Hostien als Teil der heiligen Kommunion an die Anwesenden zu verteilen – nach gründlicher Handdesinfektion. Die Evangelische Kirche Deutschlands betont indes, dass ein Gottesdienst auch ohne Abendmahl vollwertig sei.

Eine freudige Überraschung

Für den Weihbischof war die Ankündigung der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung eine freudige Überraschung: „Dafür sind wir sehr dankbar.“ Eigentlich hatte man sich darauf eingestellt, Gottesdienste erst wieder ab dem 3. Mai öffentlich zu feiern. Trotzdem müsse man jetzt vorsichtig sein – Gottesdienste seien derzeit nur unter Berücksichtigung entsprechender Schutzkonzepte sinnvoll. Die Öffnung der Kirchen hält Hauke für verhältnis­mäßig. Die Gemeinde in Erfurt sei ohnehin vergleichsweise jung.

„Wir gehen davon aus, dass die Menschen vernünftig sind und besonders Gefährdete und Ältere zu Hause bleiben“, so Hauke. Dies ist auch guten Gewissens möglich: Das für Katholik*innen geltende Gebot, am Sonntag zur Kirche zu gehen, bleibt vorerst außer Kraft.

Mit überlaufenen Kirchen ist in Thüringen zunächst ohnehin nicht zu rechnen. Über zwei Drittel der zwei Millionen Thüringer*innen sind konfessionslos.

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