Kinder fragen, die taz antwortet: Gibt es etwas, das dünnflüssiger als Wasser ist?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Lior, 10 Jahre alt.
Foto: Christian Vorhofer/Westend61/imago
Ein Löffel taucht in ein Honigglas. Zieht man ihn aus dem Glas heraus, kann man einen goldenen Faden sehen, der sich langsam streckt, kringelt, allmählich dünner wird und irgendwann abreißt. Kippt man stattdessen ein Glas Wasser um, ist es in einer Sekunde ausgelaufen. Honig und Wasser sind beide flüssig. Nur unterschiedlich dick- oder dünnflüssig. Fachleute nennen diesen Unterschied Viskosität.
Wasser ist sehr dünnflüssig, keine Frage. Es gibt aber noch dünnflüssigere Stoffe: Benzin oder reiner Alkohol zum Beispiel. Der Stoff Diethylether fließt rund viermal so leicht wie Wasser. Noch flüssiger ist flüssiges Helium. Das fließt wie von Geisterhand die Wand seines Gefäßes hinauf. Helium ist eigentlich ein Gas und nur in einer unheimlich kalten Tiefkühltruhe flüssig. Die Dinge, die viel dünnflüssiger sind als Wasser, sind also eher in einem Labor zu finden als zu Hause.
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
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Die Flüssigkeiten, die uns im normalen Alltag umgeben, können wir häufig ohne größere Gefahr mit unseren Sinnen erspüren. Unsere Finger sind hierzu erstaunlich gute Messgeräte: Reibt man einen Tropfen zwischen den Fingerspitzen, spürt man genau, wie zähflüssig oder dünnflüssig er ist. Auch die Augen helfen mit: Ein dünner Strahl Flüssigkeit, der in feine Tropfen zerfällt, verrät eine niedrige Viskosität, ein träger, in sich zusammensackender Brei verrät eine hohe.
Dass ein Stoff leichter fließt als ein anderer, hängt von seinem Aggregatzustand ab. Dieser Zustand beschreibt, wie eng sich die kleinsten Bausteine eines Stoffes aneinanderklammern. In einem Festkörper wie Eis sitzen die Teilchen fest verzahnt in einem starren Gitter. Nichts fließt. Wird daraus flüssiges Wasser, lockert sich der Griff: Die Teilchen bleiben sich zwar nah, können aber aneinander vorbeirutschen, mit ein bisschen Reibung, der Viskosität.
Noch weniger hängen die Teilchen in einem Gas zusammen. In unserer Atemluft zum Beispiel sausen die Teilchen frei umher, die Reibung wird winzig klein.
Neben fest, flüssig und gasförmig gibt es noch einen vierten, im Prinzip noch loseren Aggregatzustand: Plasma. Das kommt aber nicht natürlich auf dem Erdboden vor, sondern eher tief im Inneren der Sonne oder in einem Blitz. Die Umgebung muss dafür so heiß sein, dass sich sogar die Elektronen von ihren Atomen losreißen.
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