Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg: „Die Situation ist wirklich dramatisch“
Hamburgs Jugendklubs und Bauspielplätze laden zu Demo und Tag der offenen Tür. Der Arbeitsbereich ist bedroht, sagt Fachreferentin Fabienne von Hohenthal.
Foto: Hoch Zwei Stock/Angerer/imago
taz: Frau von Hohenthal, am 22. September lädt Hamburgs Kinder- und Jugendarbeit zum Tag der offenen Tür. Wer genau lädt da ein?
Fabienne von Hohenthal: Dieser Tag findet bundesweit statt und ist der OKJA gewidmet, wie der Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit abgekürzt heißt. Zu den Einrichtungen hier in Hamburg zählen zum Beispiel Jugendklubs und Häuser der Jugend, aber auch Kinder- und Familienzentren, Spielmobile sowie Abenteuer- und Bauspielplätze.
taz: Diese Orte gibt es noch in Hamburg?
von Hohenthal: Ja klar, wobei „noch“ ein gutes Stichwort ist.
taz: Was erwartet die Besucher an diesem Tag?
von Hohenthal: In Hamburg haben wir diese Aktion auf zwei Tage verteilt. Am 22. September gibt es den Tag der offenen Tür, an dem sich mehr als 30 Einrichtungen beteiligen. Die öffnen ihre Häuser für Interessierte, damit sie die Angebote kennenlernen. Da gibt es vielfältige Angebote, auch mit Lagerfeuer, gemeinsamem Essen und Feiern. Manche Einrichtungen laden Politiker*innen ein. Und wir rufen für den 25. September zu einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt auf unter dem Motto „Alarmstufe Rot! Entschlossen gegen Kürzungen! Kinder und Jugendrechte verteidigen!“ Denn unser Arbeitsbereich ist bedroht. Wir, das ist hier die IVOA, die Interessenvertretung der Offenen Arbeit.
taz: Was erhoffen Sie sich von den Politikerbesuchen?
von Hohenthal: Na, dass unsere Positionen gehört werden. Die Situation im Arbeitsfeld ist wirklich dramatisch. Die Haushaltsankündigungen für 2027/28 spitzen dies noch einmal mehr zu. Wir hoffen, dass das von der Politik erkannt wird und die offene Arbeit dem Bedarf entsprechend ausgestattet wird, um ein gutes Aufwachsen für alle zu ermöglichen.
Tag der offenen Tür der OKJA in Hamburg am 22.9. Eine Liste der teilnehmenden Einrichtungen findet sich unter: www.entschlossen-offen.de/2026/08/14/tage-der-okja-2026/
Kundgebung „Alarmstufe Rot! Entschlossen gegen Kürzungen!“: 25.9., 15 Uhr, Rathausmarkt
taz: Im Haushaltsentwurf der Stadt für 2027/28 wird die Zuweisung für die offene Arbeit nicht gekürzt.
von Hohenthal: Das stimmt. Es gibt nach jetzigem Stand eine Erhöhung von ungefähr 1,5 Prozent. Aber das ist deutlich zu wenig. Denn die Mittel waren schon für 2026 viel zu knapp. Die Stadt hat die Tarifkostensteigerungen von 2,8 Prozent bei freien Trägern noch nicht übernommen. Obendrein gab es eine deutliche Kürzung der Mittel zur Integration geflüchteter Kinder und Familien. Deshalb hatten wir als IVOA gefordert, dass mindestens 5 Millionen Euro hinzukommen und diese Kürzung revidiert wird. Sprich: Dieses Jahr ist die OKJA schon nicht auskömmlich finanziert, und mit dem nächsten Haushalt wird dies noch schlimmer. Auch in 2028 wird es Tarifverhandlungen geben und die Kosten für Lebensmittel, Energie und Materialien stiegen weiter. Da reicht diese 1,5-Prozent-Erhöhung hinten und vorne nicht.
taz: Es soll ja auch für Träger immer unattraktiver sein, OKJA zu betreiben. Ihr Verband für Kinder und Jugendarbeit, der VKJH, kündigte im Juni an, einige Häuser abzugeben. Passiert das wirklich?
von Hohenthal: Wir wollen diese Einrichtungen halten. Aber dafür brauchen wir als VKJH für die Geschäftsführung eine passende Ausstattung, über die wir derzeit mit der Behörde verhandeln. Der Verband stemmt die Interessensvertretung für das gesamte Arbeitsfeld der OKJA und macht sich stark für die Themen, die in der Praxis eine Rolle spielen. Würde es uns nicht mehr geben, wäre es ein großer Verlust.
taz: Die Offene Arbeit war ja schon im Winter auf der Straße, nachdem jene Kürzung der Integrationsmittel bekannt wurde. Hat das geholfen?
von Hohenthal: Wir erreichten zumindest, dass unser Arbeitsfeld auch in der Öffentlichkeit größere Aufmerksamkeit erhielt. Uns war von der Behörde mitgeteilt worden, dass es größere Kürzungen der OKJA geben wird. Und nun haben wir diese minimale Steigerung von 1,5 Prozent. Wären wir nicht so laut gewesen, wäre es schlechter ausgegangen. Aber es ist zu wenig.
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